Aktuelles


VersöhnungNachricht vom 2018-12-08 08:58:28

An meine Eltern
Versöhnung
v. Gerda Hillebrand

waunn’ i’ so z’ruckdenk an’d’ Zeit mit Eich,
do wird ma’ glei' ums Herz gaunz weich,
wor einst des G’fühl net so wia heit,
vül Ärger gab’s und no' mehr Streit!
Koa Duldung zwischen Eich und mir,
a’ umkehrt wor’s so, gor ka G’spir!
Wia schod’ um die vagaung’ne Zeit,
jetzt, wo’s seid’s in da Ewigkeit
mecht’ gern’ des Radl z’ruck i’ drahn.
Eich fest umormen und a wan'!
Um vül Vaständnis tät’ i’ bitt’n
wär’ts ihr bloß no' in uns’rer Mitt’n.
Warum kapiert ma olls erst z’spot?
Waunn’d’ Bana scho’ da Wind vawoht;
So vül mecht’ i’ Eich heit no sog’n
I’ kaunn’s nur auf’m Grob wehklog’n.
Und trotzdem spür’ i’ in mir drinn’
Ihr sad’s no do, und i’ beginn’
Eich immer mehr zu lieben;
san’ d’guat’n Zeiten überblieben,
die mi’ so vasöhnlich stimmen,
schaut’s bitt’schön oba aus’m Himmel!
Und frogt’s um Gnod für uns auf d’Erd’
Des wär’ mei Wunsch –is’ nit vakehrt!
Ihr hobt’s den bess’ren Droht dafua,
i’ winsch Eich no a sel’ge Ruah.
In unser’m Herz’n bleibt’s bestehn,
bis mia den gleich’n Weg ham gehen!

Tullnerbach, 9.12.2010

 


Herbst - ImpressionenNachricht vom 2018-09-02 08:05:56

Impressionen:

 

H E R B S T

Gerda Hillebrand

 

In schillernden Farben präsentieren,

stürmisch die Tage beschließen,

um in Nächten Kraft zu tanken

für die wenigen Morgen.

Silbrig glänzende Fäden über Blattwerk weben,

die sich im Sonnenlichte wiegen

und glitzerndes Gefunkel verheißen.

Glaubhafte Schimäre –

ein Aufbäumen im Sterben.

 

SPÄTHERBST

Blätter, die Trauer tragen,

wenn die Nebelschleier sie umarmen.

Die Tage kurz, die Nächte länger innehalten,

die Dunkelheit allumfassend erscheint.

Die grenzenlose Stille so laut,

dass die Ruhe gespenstisch wirkt.

Modergeruch die Luft erfüllt,

Feuchte in alle Ritzen zieht.

In warmen Stuben

metaphorische Selbstbesinnung –

der Reigen von

Tod und neuem Leben!


Sternderl schau`nNachricht vom 2017-12-19 18:02:13

 Eine wahre Weihnachtsgeschichte aus meiner Heimatstadt Eisenstadt

 

Sternderl schau'n

Gerda Hillebrand

(für Mama)

 

Es war einst ein Geschwisterpaar, das Mädchen besuchte wohl

gerade die Grundschule, der Bruder war wenig älter. Sie wohnten

mit ihren Eltern in einer kleinen Stadt, nahe dem Waldrand. Man

sah sie selten und dann stets gemeinsam, wie Hänsel und Gretel im

gleichnamigen Märchen. Außerdem erzählte man sich, dass deren

Mutter schon längere Zeit siech darniederlag.

Wochen vergingen, in denen die Kinder wie vom Erdboden verschluckt

schienen. Die Adventzeit zog ins Land, die Vorbereitungen

für das besinnlichste Fest im Jahr waren überall spürbar. Die Natur

legte sich schlafen, eine feine Schneedecke überzog Wald und

Wiesen. Kurz vor dem Weihnachtsfest hatte wohl der Tod ein Einsehen

mit der armen Frau und beendete das lange Siechtum.

Als es darum ging, die Kleinen vom Ableben ihrer Mutter zu unterrichten,

da tat es die Großmutter der Kinder, eine kleine, ältliche und zarte

Dame, auf so liebevolle und unsagbar behutsame Art, die mich

heute noch bezaubert.

Die Frau nahm ihre Enkelkinder an den Händen, ging mit ihnen

 

ein Stück eines einsamen Waldweges, blieb vor unserem Haus

stehen, zeigte in das Dämmerdunkel des Firmaments und erklärte

mit ruhiger und sanfter Stimme den Kindern:

»Seht euch diesen strahlenden Sternenhimmel an, meine Kleinen!

All die vielen Sterne, die euren Augen noch nicht verborgen sind,

liegen allesamt in der Vergangenheit, weil sie so weit entfernt sind.

Dahinter gibt es noch viel mehr, was keine Menschenseele bisher

erblickt hat und das nennt man Ewigkeit. Diese Endlosigkeit beherbergt

alle Verstorbenen. Die hellen Sterne da oben, das sind die

Augen jener Toten, die erst kürzlich dahingegangen sind. Und da!

Seht einmal! Genau über euch, sind zwei helle, kleine Sterne, knapp

nebeneinander! Das sind die Augen eurer Mutter, die immer auf

euch beide hernieder blicken. Sie beobachten jeden eurer Schritte.

Sie sind immer um euch, auch wenn der Himmel von Wolken verhangen,

traurig und düster erscheint, und ihr das Sternenpaar nicht

erblicken könnt. Euer Mutter Augen sehen euch und sind mit euch.

Sie lässt euch nicht allein, denn sie liebt euch mehr denn je, sie ist

nur ein kleines Stückchen weiter von euch entfernt«.

Die Kinder waren wohl sehr traurig, aber immerhin fühlten sie

sich ein wenig getröstet und nicht ganz so einsam. Ehrfurchtsvoll

blickten die beiden Kleinen in die mittlerweile sternenklare Nacht

hinauf, winkten zaghaft den hellen Sternlein zu, ehe sie sich mit

ihrer Großmutter umwandten, um wieder den Heimweg anzutreten.

Meine Mutter war Zeugin dieser wunderbaren Begebenheit, die

sie mir am Weihnachtsabend erzählte. Ich war damals etwa im

gleichen Alter des Knaben, und mich rührte diese Geschichte zu

Tränen. In meiner Kindlichkeit stellte ich mir vor, wie es wäre, wenn

dieses Schicksal mich und meine Geschwister beträfe. Mitleid und

Trauer über das schwere Los der Kinder, aber auch Angst und

Sorge, dieses Unglück könnte auch unsere Familie treffen, ließen

mich als Häuflein Elend zurück.

Tief beeindruckt suchte ich die nächsten Wochen täglich den

Sternenhimmel ab, um das Sternenpaar zu erspähen und mir sicher

zu sein, dass die Augen der Verstorbenen auch tatsächlich auf ihre

hinterbliebenen Kinder blickten.

Mittlerweile sind einige Jahrzehnte vergangen, doch diese Geschichte

hat nach wie vor nichts von ihrem Zauber und Reiz eingebüßt.

Seit mehreren Jahren stehe ich oft vor dem Zubettgehen am offenen

Fenster, schaue in eine sternenklare Nacht, entdecke zwei helle

kleine Sternenpaare, ganz dicht nebeneinander, als würden sie sich

küssen. Mich dünkt, als bräuchte ich nur meine Arme auszustrecken,

um sie berühren zu können, so nahe scheinen sie mir.

Manchmal bemerke ich sogar ein leichtes Zwinkern und zwinkere

zurück. Wenn ich ein Weilchen hinaufblicke, ist mir sogar, als

würde sich eine Aureole um jeden einzelnen dieser Sterne legen.

Sogar ein leises Lächeln, gleich dem Lächeln in den Augen erblicke

ich. Dann fühle ich mich behütet und getröstet, vielleicht ebenso wie

die beiden Kinder aus längst vergangenen Tagen.

»Gute Nacht, Mama, gute Nacht, Papa, schlaft gut, vielleicht

sehen wir uns morgen wieder!

FROHE WEIHNACHTEN!!


Neuer Roman entstehtNachricht vom 2017-09-14 09:25:30

Nach langer Pause arbeite ich wieder an einem Roman. Die Schaffenspause war sehr, sehr lang. Ich hoffe, meine Konsequenz hält an. Die Hälfte ist ja bereits geschafft.

Aber Geduld heißt für mich die Desvise. Nichts überstürzen. KüssendCoolLachend


ErwachenNachricht vom 2017-02-22 16:09:53

 

 

ERWACHEN

Gerda Hillebrand

 

In den letzten Wintertagen

stiebt der Wind noch rasch durchs Feld.

Damit will er Abschied sagen

und vermeint sich wohl als Held.

Spürt jedoch die herbe Trennung,

die in Bälde steht bevor,

denn auf Berg und Flur da wartet

schon der Frühling vor dem Tor.

 

Aus des tiefen Schlafes Dunkel

hebt ein zartes Glöckelein,

weiß beglänzet wie Gefunkel

sein behütet Köpfelein.

Auf erstaunlich kraftvoll Weise

aus dem harten Erdengrund,

bohrt und streckt es sich, ganz leise,

gibt so sein Erwachen kund.

 

Und ein laues Lüftchen koset

durch die schlummernde Natur,

küsst sie wach auf sanfte Weise

und gibt Kraft der Kreatur!

Alles dehnt sich, strebt zum Lichte,

lässt die Wärme in sich ein.

Metaphorisches Verzaubern,

keine Müdigkeit ums Sein!

 

Nur noch Energie und Freude,

Lebenslust und Tatendrang,

ein Verzehren nach dem Werden,

ein Gezwitscher, welch Gesang!

Diese Sehnsucht nach dem Leben,

die bescheret nur der Tod,

Frühling lässt die Erde beben,

und erwachen lässt sie Gott!

 

18.3.2010

 

 


KartenspielereienNachricht vom 2017-02-06 08:09:27

Benefizveranstaltung im Tachles, Auszug aus meiner Lesung:

siehe Links unter Archiv Benefizveranstaltung twittkultur auf youtube-Link anklicken! Vorletzter Eintrag!

 

 


SUCHENachricht vom 2016-12-13 10:19:59

 

 

WEIHNACHT

 

SUCHE

v. Gerda Hillebrand

 

Ich wollte das Christkind sehen,

war selbst noch ein Kindlein so klein.

Und mochte schon dereinst verstehen,

warum diese Zeit so geheim.

 

Verstecke, Getuschel, Gerüche,

die Eltern geheimnisvoll still.

Der Duft samt versperrter Küche

nicht aus dem Kopf weichen will.

 

Dann stand auch noch eine Tanne,

geschlagen im nahen Wald,

im Garten in einer Wanne,

und sollte erfreuen mich bald!

 

Rundum ein Jauchzen ein Singen,

ein Hoffen, ein Strahlen, ein Licht.

Was wird denn das Kindlein uns bringen?

Ein Wunder, so heißt der Bericht.

 

Wo ist denn das Wunder zu spüren

in unserer fliehenden Zeit?

Ein spärliches, zaghaftes Rühren,

Gefühle, sie wär’n schon bereit.

 

 

 

 

 

Kurz hab’ ich das Christkind gefunden,

es liegt schon so lange zurück.

Bin jetzt dabei zu erkunden,

warum es mir wieder entrückt.

 

 

Ich möchte das Christkind finden,

der Wunsch beharrlich er nagt,

wohlan, so soll’s mir gelingen,

ernst hab ich es doch nicht gewagt.

 

Wohin ist das Kind denn gegangen,

die vergang’nen Jahre schon?

Soll ich nicht wieder verlangen

nach ihm, den verlorenen Sohn?

 

Wohin ist das Christkind entwichen,

wo hält es sich nur versteckt?

Muss warten, bis ich verblichen,

damit ich es wieder entdeck?

 

Doch spür’ ich manch Zeiten das Kindlein,

entfernt ist es noch allzu weit,

denn Eile und Hast sie verhindern,

die Suche in dieser schnellleb’gen Zeit!

 

FROHE WEIHNACHTEN WÜNSCHT

Gerda Hillebrand


Und nun...? Im Gedenken an ErichNachricht vom 2016-10-31 15:24:56

fürErich


 

Und nun ? ...

(für Erich im Gedenken)

 

Als man ihn vom Baum schnitt, hing er bereits zwölf Stunden. Entdeckt wurde er etwa zwei Stunden nach seiner Selbsttötung. Der Einfachheit halber ließ man ihn baumeln, bis man Zeit für die nötigen kriminaltechnischen Untersuchungen fand, die ein Selbstmord im Allgemeinen mit sich bringt. Die kalten Februartage setzten diesbezüglich keine Eile voraus.

Hatte er sich die Stunden danach als baumelnder Leichnam hinter seiner Blockhütte so vorgestellt, bevor er den letzten Schritt setzte?

Wie hatte er sich eigentlich seine letzten Minuten ausgemalt, oder hatte er an nichts mehr gedacht?

Gehörten diese Augenblicke vor der Abreise ins Nirwana seiner Kindheit, Jugendzeit, seinen Frauen oder Kindern? Wem galten seine Gedanken, ehe ihm der Fall in den Strick das Genick brach?

Vielleicht dachte er, kaum das Ende erwartend, mit einem leisen Lächeln um den Lippen noch: „Jetzt habe ich es gleich geschafft“ oder aber in ängstlicher Erwartung des Kommenden: „Verdammt, was mache ich denn nur“?, und hatte dabei keine Chance mehr, dem selbst gesetzten Akt zu entkommen. Möglich, dass die letzten Sekunden seines Lebens gnädiger mit ihm verfuhren als die letzten Monate und Jahre davor!

Das Wiederaufflackern seiner vor Jahrzehnten ausgeheilt geglaubten Krankheit ließ ihn die letzte Zeit zum seelischen Wrack werden. Vielleicht hatte er Angst, all die Torturen der damaligen Therapie noch einmal über sich ergehen lassen zu müssen, nicht wissend, dass die jetzigen Behandlungsmethoden im Gewahrsam einer Anstalt doch viel menschlichere Anwendungen versprechen als noch vor etwa vierzig Jahren. Spürte er die Schmerzen der bei vollem Bewusstsein wiederholt an ihm durchgeführten Elektroschocks neuerlich, spürte er die beengende Zwangsjacke, die kaum eine regelmäßige Atmung zuließ, wenn er seine Anfälle hatte? Spürte er die Schläge der Pfleger, die gar nicht zimperlich auf ihn eindroschen, um ihn „ruhig“ zu stellen? War diese Angst Auslöser für das Reifen seines Entschlusses zur Endgültigkeit?

Oder ließ ihm die Ausweglosigkeit seiner familiären Situation keine andere Möglichkeit mehr offen?

Sein Lebenswandel in allerletzter Zeit im teilweisen Bewusstsein seiner schizophrenen Schübe machte aus ihm einen Gejagten seiner selbst. Zwanghafte Ruhelosigkeit in sich, immer auf der Pirsch nach möglichem Reichtum durch Glücksspiel. Vielleicht auch die Suche nach echter Liebe, die er immer glaubte, nie gefunden zu haben, ob als Kind, Knabe oder Mann. In hellen Momenten dann die Erkenntnis des Scherbenhaufens seines Lebens, das Bewusst werden seines Scheiterns. Den einzigen Ausweg im Schlussmachen zu erkennen, den vermeintlich einzig positiven Vorsatz zur Handlung zu begrüßen, den Gedanken zur Tat werden zu lassen, ohne Wenn und Aber. Sich keinen Deut mehr zu scheren um die Zurückgelassenen, die sich vermeintlich auch keinen Deut um ihn geschert haben.

Selbst auferlegte oder einfach ihm zugedachte Verantwortung aus Feigheit oder einer letzten Portion Mut abzuschütteln, vielleicht den einfacheren Weg einschlagen, weil andere zu verworren und unerkannt im Verborgenen blieben. Unerfüllte Sehnsüchte und Hoffnungen versinken sehen im Abgrund der Zeit. Aufwühlende Gefühle einer neuen, vermeintlich echten Liebe im Sog der Habgier, Berechnung und Lüge verschwinden sehen zu müssen, sie unterdrücken zu müssen, um nicht noch verrückter zu werden.

Oder ganz einfach nur das Bedürfnis nach Ruhe zu verspüren, der unendlichen Müdigkeit nachzugeben, nicht mehr denken und fühlen zu wollen, alles hinter sich zu werfen, Altlasten zu versenken und neue Lasten sich nicht mehr aufbürden zu mögen, nur noch Kraftreserven als letzte Aktivität an sich zu vergeuden, weil der Sinn des Lebens für ihn nie zu erkennen war.

Hilfe, die in allzu vielen jämmerlichen Situationen seines Bestehens für ihn nie greifbar schien, weil er keine Hand zum Anhalten oder Halten fand, die ihm vielleicht zu zaghaft hingestreckte nicht ergriff, weil er sie nie spürte und sah.

Weil die Einsamkeit ihm vielleicht den Rest gab, obwohl er nicht alleine war, die physische und psychische Leistungsgrenze schon lange überschritten schien, die Unerträglichkeit des Lebens ihm zur Qual wurde, seine Tränen, zu Salzkrusten geworden, sein Herz austrockneten, sein Lachen schon lange erstorben war, sein einstiger, emotionaler Redeschwall sich zum flüsternden Selbstgespräch verwandelte.

Dann der Aufstieg auf den Baum, sein letztes Tun im Umlegen der Schlinge, vielleicht noch ein kurzes Gebet, der Sprung ..., sein kaputtes Leben als abgespulter Film im Zeitraffer ...

Und nun ......?

 


Mongibello - ÄtnaNachricht vom 2016-10-04 10:04:09

 

aus meinem sizilianischen Reisebericht "Auf Götterspuren wandeln" eine Replik auf den beeindruckenden Ätna.

 

ÄTNA

 

Für den kommenden Tag, den 3.10.02 haben wir „Sun-Set“ am Ätna gebucht, der in dieser Jahreszeit etwa zwischen 17 und 17,30 Uhr beginnen soll. Was wiederum so viel heißt, dass wir um die Mittagszeit los fahren müssen. Die Tage vorher war es ständig bewölkt, so dass wir den Mongibello von unserer Terrasse nie zu Gesicht bekamen. Auch am Abend war er durch eine dichte Wolkendecke zugezogen. Ob der nächste Tag einen Sonnenuntergang auf knappen 2900 m wohl zuließ?

Die Vorkehrungen für diese Fahrt wollten wir am nächsten Vormittag treffen, es galt, sehr warme Kleidung mitzunehmen, gutes Schuhwerk ist selbstverständlich Voraussetzung für diese abenteuerliche Fahrt. Hoffentlich passt das Wetter, beteten wir in einem fort!

Der nächste Morgen begrüßt uns strahlend schön, der morgendliche Blick Richtung Ätna ist von überwältigender Schönheit. Erstmals, seit unserer Ankunft in Taormina, ist die Sicht klar, die rauchende Vulkanspitze wolkenfrei. Wie stolz er sich uns präsentiert, der Mythen umwobene Mongibello. Natürlich ist unsere Vorfreude unbeschreiblich groß. Unzählige Legenden ranken sich seit der Antike um diesen Vulkan. Aber wie hätten sich die Menschen auch die glühenden Lavaströme und steten Rauchsäulen anders erklären sollen, als mit Hilfe übernatürlicher Kräfte oder göttlicher Urgewalten.

Hephaistos, der Gott der Schmiede und Vulkane, Gatte der „Schaumgeborenen“, Aphrodite, Adoptivtochter von Zeus, welcher der Göttin der Liebe und Schönheit aus Eifersucht verbot, sich zu verlieben oder zu verehelichen, und ihr daher den verkrüppelten und hässlichsten aller Götter zum Manne gab, lebt in seinem Reich am, oder eher im Rumpf des Ätna.

Noch tiefer in des Berges Mitte, unter glühendem Gestein herrscht Hades, der Gott der Unterwelt, älterer Bruder des Zeus. Ihre anderen Geschwister Poseidon, Demeter, Hestia und Hera, (letztere nimmt ja Zeus zur Gattin), werden von Zeus aus der Gefangenschaft ihres Vaters Kronos, befreit, indem er ihn zwang, all seine verschluckten Kinder auszuwürgen. Als Dank darf er als Göttervater am Olymp herrschen, obwohl Zeus nicht als Ältester geboren wurde. Mit Hilfe seiner Brüder Hades und Poseidon tötete Zeus seinen Vater. Hades verliebt sich unsterblich in Kore, die junge Tochter Demeters, und bittet den Bruder Zeus um Erlaubnis, sie heiraten zu dürfen. Aber Zeus fürchtet, dass Demeter ihm seine Zustimmung zur Heirat nie verzeihen würde, so setzt Zeus gekonnt seine diplomatischen Fähigkeiten ein, wobei er weder zustimmend noch ablehnend der Bitte Hades entspricht. Irgendwie windet er sich aus der Affäre. Nachdem Hades zur Kenntnis nimmt, dass er seinen Bruder durch seine Verbindung mit Kore nicht erzürnen wird, entführt Hades die wild schreiende und sich wehrende Kore heimlich in einem güldenen Wagen, dem schwarze Pferde vorgespannt waren, in sein Schattenreich. Sonnengott Helios, der alles sieht, erzählt der verzweifelten Demeter die Wahrheit über die Entführung ihrer Tochter. Demeter vermutet hinter diesen ruchlosen Streich ihren Bruder Zeus und beschließt, solange nicht zum Olymp zurückzukehren, bis Kore, die von nun an den Namen Persephone trägt, wieder bei ihr wäre. Sie verbietet den Pflanzen zu wachsen, wodurch es auch keine Früchte mehr gab, und die Menschheit Hungers sterben müsste. Natürlich muss Zeus unter diesen Voraussetzungen klein beigeben, und befiehlt Hades, die Geraubte ihrer Mutter zurückzugeben. Aber Kore/Persephone hat bereits von der Totenspeise gekostet, nämlich den Kernen des Granatapfels, sodass Zeus einen Kompromiss finden muss. Die dunklen Monate des Jahres soll Persephone als Göttin der Unterwelt neben ihrem Mann Hades, dem Gott der Unterwelt im Reich der Schatten herrschen, und die Seelen der Toten bewachen, die hellen Monate aber darf sie als Kore bei ihrer Mutter auf Erden zubringen. Durch diese Einigung, der von allen angenommen wird, verdankt die Erde das Prinzip der Metamorphose und der Wiedergeburt. Der Abstieg ins Dunkel und der Aufstieg ins Licht könnte einleuchtender nicht erklärt werden. Selbst das bildhafte Argument der vier Jahreszeiten ist einleuchtend. Gedanklich mit diesem mythischen Hintergrund behaftet, bestieg ich den Reisebus.

Unser Ziel war der Ätna Nordhang. Linguaglossa – Zunge-Zunge heißt dies übersetzt – ist eine Station mit Ausgangspunkt der Panoramastraße Mareneve (Meer und Schnee), 1450 m hoch, dann weiter nach Piano Provenzana in 1800 m Seehöhe, wo sich der wichtigste Wintersportort auf dem Ätna befindet. Bis hierher fahren die Busse, danach ist der Umstieg in Mercedes-Allradbusse auf 2900 m Höhe obligatorisch.

Entlang der Panoramastraße ist das Gebiet auf Grund des mineralhaltigen Bodens noch fruchtbarer, als in tiefer gelegenen Gebieten. Pfirsichfelder, Artischockenkulturen, Weinberge, Oliven, verschiedenste Obstsorten werden hier gepflanzt. Bis auf 2000 m Höhe gibt es ausgedehnte Waldzonen mit Edelkastanien- und Eichenwäldern.

Bei der Busendstelle ist es bereits windig und kalt. Einige Mitreisende müssen in Ermangelung geeigneter warmer Kleidung noch rasch in den umliegenden Souvenirläden Anoraks entleihen. Wie klug und geschäftstüchtig die Standeigner die Nachlässigkeit der Touristen ausnützen! Hier gibt es auch noch zwei Restaurants mit Übernachtungsmöglichkeit. Schwarze Lava ist hier vorherrschend, die sich uns aber reich bewachsen mit der Panzerföhre, einem Relikt aus dem warmen Tertiärzeitalter, aber auch vielen anderen Pflanzen präsentiert. Dieses Gebiet soll, nach Berichten der Reiseleitung, ziemlich sicher vor vulkanischen Verschüttungen sein, jedenfalls bezeugen uns das auch die alten Waldbestände.

Wir steigen um in einen bereitgestellten Geländebus, der immerhin einen Fassungsraum von 30 bis 40 Leuten misst. Ein Bergführer muss die Touristen unbedingt begleiten, die Gefahr wäre zu groß, dass sie sich entweder verirren oder in längst erloschene, mitunter sehr tiefe Krater, stürzen.

Wir erfahren von der Reiseleitung, dass der 3369 m hohe Vulkan einen Umfang von 140 km fruchtbarsten Boden hat, seine elliptische Fläche immerhin 1400 km2 groß ist, und insgesamt 270 Krater aufweist.

 

Die Niederschläge versickern in Erdspalten und treten vereinzelt im Tal wieder als Quellen zutage, was zusätzlich zur Fruchtbarkeit dieses Gebietes beiträgt. Die Griechen gaben dem Berg den Namen Aitne, aus dem sich die Bezeichnung Ätna ableitet. Die Sizilianer verbanden die italienischen und arabischen Bezeichnungen für Berg = Monte und Djebel = Berg, als Mongibello = Berg der Berge. Menschliche Besiedelungen erstrecken sich bis weit hinauf in die Höhe, Reste eines antiken Gebäudes fand man etwa noch in 2197 m über dem Meeresgrund. Bis auf 1500 m vom Hauptkrater entfernt gibt es heute menschliche Ansiedelungen. Rund 140 gewaltige Ausbrüche verzeichnete bis dato die Geschichtsschreibung. Immer wieder nach großen Ausbrüchen entstehen neue Krater, die aktiv sind und es auch bleiben. Städte und Dörfer wurden seit alters her vom unruhigen Berg zerstört, die Lava floss bis ins Meer, gewaltige Lavafelsen, mitten im Wasser gelegen, geben Zeugnis von seiner unbändigen Kraft. Täglich rechnen die Siedler der umliegenden Dörfer mit neuen Ausbrüchen, obwohl man ein ausgeklügeltes Frühwarnsystem besitzt, womit unvorhergesehene gefährliche Eruptionen angeblich eher unwahrscheinlich sind. Der Ätna verfügt über 4 Gipfelkrater und 200 Flankenkrater, wo die flüssige Glut mit einer Austrittstemperatur von 1000 Grad C herausquillt und eine Geschwindigkeit von 10 m pro Sekunde erreicht. Stets versuchten die Menschen den Lavastrom in Kanäle umzuleiten, um besiedelte Gebiete zu verschonen. Meistens sind diese Vorkehrungen umsonst, die Massen bahnen sich just den Weg, den sie wollen.

 

Das Geländefahrzeug bringt uns sehr langsam durch holpriges Gebiet auf 2300 m Höhe. Hier wandern wir zu einem nahe gelegenen, erloschenen Krater. Es ist wahrlich ein Erlebnis! Erstmals nur dunkles, hartes Lavagebiet zu betreten, ist ein beispielloses Abenteuer. In dieser Höhe gibt es nur noch schüttere Vegetation. Die Erklärung ist einleuchtend, weil hier erbarmungslos der Wind heult. Die Erläuterungen des Führers sind uns durch den Lärm des Windes nur mehr schwer verständlich. Wir sehen Bruchlinien aus erloschener Lava. Wir müssen vorsichtig sein, nicht in eine dieser etwa 30 cm dicken Spalten zu gelangen. Wie leicht könnte man sich den Knöchel dabei verletzen. Der Krater, den wir hier sehen, ist nicht sehr groß. Er weist etwa eine Tiefe von 5 m auf, was in der Fülle der hier vorherrschenden „Abgründe“ eher unbedeutend ist, wenn man bedenkt, dass es Kratertiefen von Hunderten von Metern gibt.

Riesige Basaltblöcke, die das Innere des Ätnas freigab, säumen die Kraterränder. Wieder im Fahrzeug, geht es noch einmal etwa 300 m steil bergauf. In dieser Höhe gibt es nur mehr vereinzelt stacheliges Gras, in Form kleiner Polster. Ich berühre neugierig einen davon und werde dabei sofort gestochen. Die Umgebung kommt mir mondähnlich vor. Jedenfalls stelle ich mir in naivem Glauben die Oberfläche des Mondes so vor. Der Wind bläst jetzt noch heftiger, beinahe wütend, so als wollte er uns vor einer Weiterfahrt abhalten, um die Stätte jenen zu überlassen, die hier das Vorrecht besitzen, den Göttern. Teilweise verursacht mir die Fahrt sehr mulmige Zustände. Der mit riesigen Baggern für meine Begriffe eher unzulänglich geebnete Weg ist eng und steil, der Hang auf meiner Sitzreihe ist stark abfallend und geht etwa an die 300 m bergab. Hier darf dem Fahrer kein Fehler passieren, denke ich mir mit Schaudern.

Ein neuerlicher Steig zu Fuß führt uns nach Aufforderung des Führers zu interessanten Bruchkanälen, die ihren Ursprung an einem der Hauptkrater haben, denen warmer Rauch entsteigt. Wir können unsere nahezu erfrorenen Hände in den Spalten wärmen. Das tut gut in dieser Kälte. Jetzt ist das Gehen sehr mühsam geworden. Der Sturm macht jeden einzelnen Schritt als wären es zehn. Wir stolpern über erkaltete Lava und Geröll. Trotzdem ist es ein schaurig schönes Erlebnis. Die Sonne erscheint uns hier als eine viel größere Kugel als unten im Tal und leuchtet auffällig grell orange. Überdies steht sie bereits sehr tief. Wir gehen im wahrsten Sinn des Wortes über den Wolken, sodass uns die Aussicht auf die Dörfer versagt bleibt. Aber gerade das verleiht diesem Gebiet einen besonderen Reiz. Eingehüllt, teils in Watte, zugleich von schwarzer Masse umgarnt, verspüre ich nahezu eine beruhigende Sicherheit. Wie heimtückisch sich uns der Berg in dieser Form präsentiert! Während der Fahrt zum Observatorium in 2900 m Höhe schaukelt es uns im Geländebus wie auf einem Boot in wilder Brandung hin und her. Dem kleinen russischen Mädchen hinter mir ist schlecht geworden. Was Wunder, bei dieser Tour!

Die Sonne scheint in diesen Höhen ungemein nahe zu sein. Ich habe das Gefühl, nur meine Arme ausstrecken zu müssen, um sie berühren zu können. Heute meint es Helios, das Kind der Titanen Theia und Hyperion besonders gut mit uns. Orange-rot leuchtet die Kugel. Die Augen leiden, wenn man länger hinblickt. Helios der Allesseher, weil er ständig mit seinem Vier-Pferdegespann am Himmel zwischen Ost und West unterwegs ist, lenkt seinen strahlenden Sonnenwagen selbst. Darum erspäht er auch jedes kleinste Detail, das auf Erden vor sich geht. Ihm bleibt nichts verborgen. Gen Abend erreicht er den Westen und begibt sich in einigen Minuten in seinen prächtigen Palast, der dem des Ostens um nichts nachsteht. Die Pferde werden ausgespannt, wo sie auf der Insel der Seligen weiden können. Helios selbst fährt nächtens auf dem Strome Okeanos, der die gesamte Welt umfließt, auf einer Fähre, die ihm Hephaistos gebaut hat und auf die er sein Gespann verladen kann, zurück in den Osten. In diesen Höhen und in dieser Umgebung ist meine Phantasie noch ausgeprägter, und ich sehe deutlich den Sonnengott in unermüdlicher Reise vor mir.

Wir müssen uns beeilen, das Schauspiel des Abschieds Helios’ nicht zu versäumen. Aber unser Fahrer schafft es nicht mehr rechtzeitig. Schade drum! Ein paar Minuten haben wir uns verspätet, und der qualmende Gipfel frisst uns die letzten Sonnenstrahlen weg. Wie dumm! Dem ungeachtet versöhnen uns die etwa 500 m entfernten Hauptkrater mit gewaltigen Rauchfontänen in ununterbrochener Abfolge.

Uranos, der Urenkel Hephaistos, mickriger Sohn von Zeus und Hera, den Hera ob seiner Hässlichkeit sofort nach dessen Geburt vom Olymp hinabgeschleudert hat, und er sich dadurch auch noch beide Beine brach, kompensiert seine Hässlichkeit und Verkrüppelung offensichtlich durch Workaholic und unermüdlichen Fleiß. Unentwegte Anfeuerung im Erdinneren lässt diesen Vergleich zu. Er fertigte mit Ausnahme des Dreizacks Poseidons geniale und komplizierte Kunstwerke an, wie etwa wundervollen Schmuck, den Verführungsgürtel seiner Gemahlin Aphrodite, Waffen, aber auch die Fähre von Helios aus reinem Gold, und die vollkommen geformte, wunderschöne Pandora aus Ton, die aber Zeus dumm, faul und böse im Inneren geraten lässt. Äußere Vollkommenheit und grenzenloses inneres Übel umarmen sich auf diese Weise in ihr. Exakt das Gegenteil von ihrem Schöpfer.

Die Kälte auf knapp 3000 m macht uns zu schaffen. Der Wind bläst in ununterbrochener Abfolge und unsere Finger sind so klamm, dass wir nicht imstande sind, unsere Kapuzen zuzubinden. Das Gesicht ist ebenfalls durchfroren und wir haben Mühe uns zu verständigen, weil unser Mund offensichtlich in Froststarre verharrt. Dabei hat es angeblich plus fünf Grad Celsius. Durch orkanartigen Wind haben wir das Gefühl, als befänden wir uns in zwanzig Grad tiefer Temperaturzone.

Kaum ist die Sonne verschwunden, überfällt uns die Dämmerung so rasch, dass wir uns beeilen müssen, in unser Gefährt zu gelangen. Durch das dunkle Lavagestein wirkt rundherum alles noch dunkler und düsterer. Man kann keinerlei Umrisse mehr erkennen, nichts hebt sich von der Finsternis ab. Ich stelle mir vor, hier oben die Nacht allein verbringen zu müssen und erstarre bei diesem Gedanken wie die erkaltete Lava rings um mich. Es wäre unmöglich, einen kälteschützenden Krater ausfindig machen zu können, ja selbst einige Schritte hätten fatale Folgen. Wie leicht könnten wir in eine der unzähligen Abgründe stürzen! Im warmen Bus verscheuche ich rasch diese finsteren Gedanken. Die Scheinwerfer leuchten ganz gut den Fahrweg aus. Trotzdem ist mir ein wenig mulmig, weil ich weiß, dass die Kraterränder links und rechts des Weges so ungemein steil abfallen. Wehe uns, ein wenig vom Weg abzukommen!

 

Dem russischen Kind hinter mir ist es jetzt so übel, dass es erbricht. Saurer Geruch vom Erbrochenen zieht sich in unsere Sitzreihe. Hoffentlich sind wir bald da!

Etwa eine halbe Stunde dauert die direkte Fahrt hinunter zur Station. In einem der beiden Restaurants nehmen wir alle zusammen das Abendessen ein, wobei ein Dokumentarfilm über den Ätna mit gigantischen Eruptionen das soeben gerade Erlebte in unserem Bewusstsein noch um ein vielfaches verstärkt und es damit noch glaubwürdiger, echter erscheinen lässt.

Mit dem Bus fahren wir anschließend wieder die Serpentinenstraße hinunter und können die hell erleuchteten Orte am Fuße des Ätnas von oben noch genügend bewundern. Es war ein Erlebnis, das ich sicherlich nie vergessen werde. Noch einmal lasse ich die Reise Revue passieren, und schweife gedanklich zu Polyphem, Sohn des Poseidon, der seine unbändige Freude und sein Entzücken durch glühende Lavamassen, die er aus dem Schlund seines gigantischen Rachens stößt, ausdrückt. Immerzu, immerfort, Stoß um Stoß, umarmt von riesigen Rauchfontänen, leuchtet die alles vernichtende Glut. Entferntes Grollen, es mag vielleicht sein unbändiges Gelächter sein, klingt dazu wie tiefster Bass. Wie betört mag er wohl vom Zauber seiner Macht sein, wenn dicke Glutströme, Freudentränen des einäugigen, von Odysseus geblendeten Zyklopen gleich, sich immerfort über erkaltetes Lavagestein ergießen.

Typhon, der 100-köpfige Riese, wird nach wie vor von Gottvater Zeus im Schlund des Berges festgehalten und schnaubt darob wutentbrannt über seine Inhaftierung, indem er die Lohe in unermüdlicher Sequenz über glühende Gesteinsmassen schleudert. Vielleicht unterhält auch Hephaistos seit Anbeginn aller Zeiten seine Schmiedewerkstätte dort im Inneren des Berges, und wenn er das Feuer anfacht, steigen gewaltige Rauchsäulen gen Himmel.

Ebenso einleuchtend wäre mir, dass etwa Hades mit Persephone tief im feuerspeienden Bergesinneren die Seelen der Verstorbenen hüten, während Demeter auf der verzweifelten Suche nach ihrer Tochter Fackeln der Verzweiflung entfacht, um sie gegebenenfalls auch des nachts zu finden. In manch sternenklaren Nächten, wenn leichter Wind aus günstiger Richtung weht, kann man das wehmütige Klagen und vergebliche Rufen der Korngöttin vernehmen, die erst wieder ihre, der Unterwelt verfallenen Tochter Persephone, im Frühjahr als Kore bei sich haben darf.

Gleichwohl aller genannten mystischen und mythischen Hintergründe und Ursachen der seit ewigen Zeiten stattfindenden Eruptionen des Mongibello, bin ich fasziniert von den unbeschreiblichen Kräften, die dieses Naturschauspiel hervor zu rufen vermag, das scheinbar unter göttlicher Patronanz bis zum Jüngsten aller Tage bestehen wird.

 

Matthäus Merian, (1593-1650),  schweizerischer Kupferstecher; aus „Theatrum europaeum“, 1662-1672 schrieb:

Zitat: Sicilien erbebete und zitterte über der Entzündung des Berges Ätna, heutigen Tages Monte Gibello genannt, vor welcher ein schweres Erdbeben mit einer wundersamen Bewegung gemeldten Bergs dahergienge, welches die Stadt Catanea zwar am härtesten betraff; aber der umligenden Landen nicht verschonete, dass darüber die Leute in ihren Häusern zu bleiben sich nicht getraueten, sondern auffs flache Feld flüchteten, damit nicht die Dächer ihre Grab-Steine und die Häuser ihre Gräber seyn möchten. Unter  annderen ward der Flecken Nicolosi durch dieses Erdbeben jämmerlich zugerichtet; und mittlerweile die Einwohner ihre geringe Armuth auffs Feld mit genauer Noth zu salviren vermeynten, wurden hinter ihnen her die Häuser zerstossen und übern Hauffen geworffen, dass sie sich also unterm freyen Himmel und dem schröcklichen Stäuben der Aschen auffhalten musten und doch sich nicht sicher befanden. Und weil sie sahen, dass sich die Erde an unterschiedenen Orten auffzuthun begunte und verschlungen zu werden beförchteten, begaben sie sich Hauffen-weise nach Catanea zu.

 

 


Gedicht für Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte wurde angenommeNachricht vom 2016-09-15 14:10:08

Ich habe erst unlängst berichtet, dass ich bei einem Gedichtewettbewerb 2016 in der Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte teilgenommen habe, und ein wunderbares Basisgutachten darüber erhalten habe. Allerdings war dazumal noch unsicher, ob es auch ausgewählt werden würde.

Nun ist es amtlich: Ich bin dabei. Das Cheflektorat hat meinen Beitrag angenommen.

Mehrere tausend Einsendungen gab es, und mein Beitrag "Stimmung in der Provence" wird in "Ausgewählten Werken XIX" in einer Anthologie erscheinen.

Ist für mich ein großer Erfolg, und ich freue mich darüber sehr.


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