Aktuelles


Basisgutachten für mein GedichtNachricht vom 2016-07-18 17:47:44

Die Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte hat mir ein Gutachten für ein von mir eingereichtes Gedicht erstellt, das mich in Euphorie, und Stolz, versetzte. Ich muss es unbedingt hier abdrucken:

"Die Bilder der Natur sind Ihr Anliegen. Die Jury hat sich ausführlich mit den wichtigsten Aspekten (den sprachlichen, inhaltlichen, poetischen und kreativen) Ihres Gedichtes "Stimmung in der Provence" auseinandergesetzt.

Der Text, mit dem Sie am Wettbewerb teilgenommen haben, schafft mit eigenständigen Einfällen eine Sprachschöpfung, die man mit Fug und Recht als gelungen bezeichnen kann. Sie haben es verstanden, Ihre Botschaft klar zu vermitteln. In punkto Bildgestaltung ist ein ungewöhnlich großes Sprachgefühl wahrnehmbar. Am ansprechendsten fand ich in dieser Hinsicht "Der Duft des Lavendels wiegt mich friedvoll in Schlaf".

Insbesondere überzeugt hier, wie Sie den Bogen von der allgemeinen Naturbetrachtung zum individuellen Erleben spannen. Als Resümee kann ich sagen, dass sich Ihr überdurchschnittliches lyrisches Können zeigt. Hinsichtlich Ihrer dichterischen Zukunft möchten wir Ihnen ausdrücklich Mut machen, weiterhin Ihren Weg zu verfolgen - dass Sie Ihr "poetisches Handwerk" bereits beherrschen, ist offensichtlich. Im Ganzen zeigt Ihre Leistung schon ein sehr ausgewogenes, anerkennenswertes Bild, vermehrtes Augenmerk sollten Sie jedoch auf die Pflege Ihrer Erfindungsgabe richten.

Ich darf Ihnen mitteilen, dass ich Ihr Gedicht zur Entscheidung über die Aufnahme in die nächste Anthologie-Buchausgabe an das Lektorat der Bibliothek deutschsprachige Gedichte weitergeleitet habe. Es wird sich mit Ihnen im Septembeer in Verbindung setzen. Falls die Jury Ihnen einen der Preise zuerkennt, werden wir Sie noch eigens benachrichtigen. Die Preisträger werden dann außerdem im Internet und in der nächsten Buchausgabe veröffentlicht.

Ich wünsche Ihnen eine nicht nachlassende weitere Arbeit am lyrischen Ausdruck.


FROHE OSTERNNachricht vom 2016-03-06 09:00:50

frohe Ostern


FROHE WEIHNACHTENNachricht vom 2015-12-23 12:07:05

Ich wünsche ein friedvolles und geruhsames Weihnachtsfest inmitten Eurer Lieben. Der kommende Jahreswechsel zum 2016er möge unkompliziert und "bedächtig" verlaufen. Christmas 2014


HERBSTNachricht vom 2015-11-10 08:04:10

 

Impressionen:

 

H E R B S T

Gerda Hillebrand

 

In schillernden Farben präsentieren,

stürmisch die Tage beschließen,

um in Nächten Kraft zu tanken

für die wenigen Morgen.

Silbrig glänzende Fäden über Blattwerk weben,

die sich im Sonnenlichte wiegen

und glitzerndes Gefunkel verheißen.

Glaubhafte Schimäre –

ein Aufbäumen im Sterben.

 

SPÄTHERBST

Blätter, die Trauer tragen,

wenn die Nebelschleier sie umarmen.

Die Tage kurz, die Nächte länger innehalten,

die Dunkelheit allumfassend erscheint.

Die grenzenlose Stille so laut,

dass die Ruhe gespenstisch wirkt.

Modergeruch die Luft erfüllt,

Feuchte in alle Ritzen zieht.

In warmen Stuben

metaphorische Selbstbesinnung –

der Reigen von

Tod und neuem Leben!


Herr Viel und Frau NichtsNachricht vom 2015-09-08 10:51:50

 

aus aktuellem Anlass der Flüchtlingstragödien weit und breit:

Bewusst habe ich diesen Beitrag stilistisch einfach gehalten, weil er eben auch für Kinder gedacht ist. Vielleicht wird er aus diesem Grund auch  literarisch nicht so gerecht sein, wie es erwartet wird.

Die vielen Viels sind Absicht, weil sie im Kontext zum Titel stehen.

 

 

HERR VIEL UND FRAU NICHTS

Ein Märchen für Jung und Alt

von Gerda Hillebrand

 

 

Herr Viel wohnte einst in der Kleinstadt Viel mit vielen Bürgern, die den Namen Viel trugen. Um sie voneinander unterscheiden zu können, hatte Herr Bürgermeister Viel die viel hochgeschätzte und allseits bejubelte Idee, den vielen Viels seiner Gemeinde eine Zahl zuzuteilen, um sie voneinander unterscheiden zu können: Herr Viel1 – der Bürgermeister selbst - Frau Viel2 und so fort, bis zu Herrn Viel12000.

Frau Viel2 etwa war die Kinderärztin des Städtchens und hatte überaus viel zu tun. Viele Kinder wurden von ihr behandelt. Manchmal wurde die Stadt von epidemieartigen Kinderkrankheiten heimgesucht. Aber die viele Arbeit führte zur angenehmen Nebenerscheinung, dass Frau Dr. Viel2 ordentlich Geld scheffelte und sich viele Dinge leisten konnte.

Herr Viel3 wieder war der Priester der Gemeinde, der den vielen Viels die Messe las, die Kommunion spendete und leider auch immer wieder den allerletzten Segen bei den Beerdigungen erteilte. Herr Pfarrer Viel3 war sehr anerkannt unter seinen Schäfchen, so dass er seine vielversprechende Tätigkeit sehr genoss.

 

Die Stadt nebenan hieß Nichts und wies ebenfalls 12000 Bewohner auf. Frau Bürgermeister Nichts befleißigte sich der gleichen Idee, wie der des Herrn Bürgermeisters Viel, und so gab es Frau Nichts1, Herrn Nichts2, bis zu Frau Nichts12000.

Wie im Nachbarort Viel durfte Frau Bürgermeister Nichts die Nummer 1 sein.

Herr Nichts2 war der Kinderarzt der Gemeinde. Er hatte nichts zu tun, obwohl sehr viele Kinder immer wieder krank waren, deren Eltern sich aber die Behandlung nicht leisten konnten. Herr Dr. Nichts2 war demnach auch nicht vermögend, wodurch er sich auch nichts leisten konnte.

Frau Nichts3 war die Pastorin der kleinen Stadt. Sie las die Messe für die Bewohner, spendete die Kommunion und erteilte den Verstorbenen den letzten Segen. Davon gab es leider auch immer ausreichend viele, weil die Menschen sich nicht gut ernähren konnten und deshalb sehr oft sehr krank wurden und allzu früh starben.

 

Allen Viels war es vergönnt, viel zureisen, so auch ins benachbarte Nichts. Allerdings durften die Leute aus der Stadt Nichts nicht zu ihnen nach Viel. Vor dem Stadttor errichteten die Gemeindearbeiter einen dicken Schranken, den sie mit rigoroser Strenge durch einander abwechselnde Viels bewachten. Dadurch war es den Leuten des Nachbardorfes unmöglich, auch nur die kleine Zehenspitze nach Viel zu strecken. Sofort waren die Wachposten zur Stelle und verhafteten jeden, der auch nur gedanklich die Grenze überschritt. Das betrübte natürlich die Leute aus dem Nichts sehr, aber die Vorschriften waren durch nichts zu durchbrechen.

 

Eines Tages wanderte Herr Viel25, wie so oft bei Schönwetter, nach Nichts, weil das für ihn ja gestattet war, und es ihm außerdem viel Spaß bereitete. Er durchstreifte die Waldlandschaft, spazierte über die kahlen Felder, durchforstete jeden Hügel, beäugte die armseligen Häuser neugierig und machte sich dabei viele Gedanken.

Warum war hier alles so trostlos? Sogar der Wald schien ihm beklagenswert. Das Laub der Bäume rauschte eine betrübliche Melodie, das Wasser des Baches plätscherte als würde es vor sich hin jammern. Die Blumen hatten ihre Köpfchen gesenkt, als mochten sie weinen. Die Vögel zwitscherten zwar, aber ihre Lieder klangen viel zu traurig.

In einem kleinen Waldstück setzte er sich auf einen Baumstumpf, packte sein Jausenbrot aus, weil er durch das Herumstreifen stets viel Hunger hatte.

Das Brot war bestrichen mit viel Butter, darauf lag viel Wurst, auf der Wurst wieder war viel Mayonnaise gestrichen in der viele Gurken- und Tomatenscheiben klebten.

Dadurch war das Brot ziemlich dick und Herr Viel25 hatte ordentliche Schwierigkeiten das Brot zu verschmausen. „Eigentlich muss ich mir ernsthaft überlegen, einen viel größeren Mund für uns zu erfinden“, sagte er zu sich selbst. Denn Herr Viel25 war ein bedeutender Erfinder.

Als er gedankenverloren auf sein dickes Brot stierte, hörte er plötzlich neben sich ein Geräusch. Als er aufblickte, gewahrte er unweit von ihm entfernt eine junge Frau, ebenfalls auf dem Stumpf eines Baumes sitzend. Sie starrte äußerst verwundert sein dickes Brot an, als hätte sie offensichtlich so etwas noch nie gesehen. Dabei raschelte sie nervös mit ihrem Papier, in welchem ihr Jausenbrot gewickelt lag.

Herr Viel sah wiederum erstaunt auf ihre Jause, denn auf der hauchdünnen Brotscheibe lag nichts. Nicht Butter, nicht Wurst, nicht Mayonnaise, nicht Gurken und Tomaten. Sie hatte nur ein winziges Stückchen trockenen Brotes bei sich.

Herr Viel25, ein gutmütiger, junger Mann, war neugierig geworden, deshalb stellte er sich der Unbekannten vor, um vielleicht auch ihren Namen, oder allenfalls nähere Details über sie zu erfahren.

„Gestatten Sie, meine Dame, Herr Viel25. Ich wohne in Viel, kann viel, besitze viel, esse viel, trinke viel, wiege viel, lese viel, reise viel und lerne viel. Und diese Eigenschaften treffen auch auf meine vielen Mitbewohner zu“.

Nach seinem letzten Wort benetzten jäh reichlich Tränen das Antlitz der jungen Frau. Mit weinerlicher Stimme stellte sie sich ebenfalls vor:

„Mein Name ist Nichts25. Ich wohne in Nichts, kann nicht viel, habe nichts, esse nicht viel, trinke nicht viel, wiege nicht viel, lese nicht viel, reise nicht und lerne nicht viel. Und das alles trifft auch auf meine Mitbewohner zu“.

Da wurde Herr Viel25 sehr nachdenklich, denn aus unerklärlichen Gründen wurde ihm ziemlich warm ums Herz, und er hatte viel Mitgefühl mit der jungen Frau Nichts25. Außerdem gefiel sie ihm auf Anhieb sehr.

Dann tat er etwas, was er noch nie in seinem ganzen Leben getan hatte:

Er gab ihr die Hälfte seines reichlichen Brotbelages, und beide hatten plötzlich von allem etwas. Da kam dem klugen Erfinder Viel25 die Idee, dass man in seinem Wohnort gesetzlich festschreiben sollte, von den vielen Errungenschaften und Kostbarkeiten seiner Heimatgemeinde, der Stadt Nichts etwas abzugeben. Diese Gedanken behielt er zunächst noch bei sich.

Die nächsten Wochen besuchte Herr Viel25 regelmäßig Frau Nichts25 und brachte ihr jedes Mal die Hälfte seines Brotbelages mit. Aber auch andere Dinge teilte er mit ihr. Er bedachte sie mit Nahrungsmittel, schenkte ihr ein wenig Kleidung, überraschte sie auch hie und da mit köstlichem Naschwerk, das die arme Frau bis dahin nicht kannte. Frau Nichts25 erblühte zu einer hübschen, kerngesunden Frau und viel Liebe erfasste sowohl den Mann als auch die Frau zueinander.

Eines Tages heiratete Frau Nichts25 Herrn Viel25. Plötzlich hatte Frau Nichts etwas. Sie hatte einen Mann, sie hatte etwas zu essen, etwas zu lesen, und so weiter. Und Herr Viel hatte noch immer ausreichend viel. Dann bekam das Paar ein Kind, dann noch eines. Auf einmal hatten sie viele.

Herrn Viels Erfindung des Teilens und Schenkens wurde zwischenzeitlich auch patentiert. Er wurde dadurch noch viel anerkannter, als er es ohnehin schon war. In Scharen pilgerten die Menschen zu ihm, um sich brauchbare Ratschläge einzuholen.

Die Bevölkerung Nichts’ erhielt seit Herrn Viels genialer Idee von seinen Mitbürgern stets etwas an brauchbaren Dingen, wodurch sämtliche Bewohner mit einem Mal etwas hatten, und die Leute aus dem Ort Viel immer noch ausreichend viele Schätze ihr Eigen nennen konnten. Der schwere Balken zwischen den Städten wurde entfernt, die Wachen abgezogen. Die Leute konnten sich frei hin und her bewegen, von einem Ort in den anderen spazieren. Die Nichts nahmen Arbeiten bei den Viels an, dadurch erhielten sie Geld und konnten sich Dinge kaufen, die sie sich nie hatten leisten können. So war allen geholfen. Almosen mussten im Laufe der Zeit keine mehr gespendet werden. Glücklich und zufrieden waren alle.

 

Herr Viel25 und Frau Nichts25 gründeten mit der Zeit ein eigenes Dorf und nannten es Etwas. Auch ihre Namen änderten sie und hießen fortan Familie Etwas-Viel.

Heute hat die Stadt 12000 Bewohner, die alle etwas haben.

Herr Viel25, nunmehr Herr Etwas-Viel, wurde Bürgermeister und somit die Nummer 1 im Dorf.

 

Stell dir einmal vor, diese Entwicklung würde sich endlos fortsetzen, dann gäbe es auf unserer Welt nur Menschen, die sowohl viel als auch etwas haben. Und das „Nichts“ wäre ausgestorben!!

Wäre das nicht ein weltweit nachahmenswertes Modell?

 

Allerdings: Diese Geschichte trug sich anno 3007 zu und hatte für die Menschheit so große Vorbildwirkung, dass sie von den Regierungen bis zum Jahre 3008 zur Nachahmung als gesetzlich verbindlich galt.

Durch machtpolitische Fehlentscheidungen einiger sprachgewaltiger Nationen erlosch diese segensreiche Verpflichtung. Man schrieb nun wieder das Jahr 2012.

 


Das Alter - eine ZahlNachricht vom 2015-04-18 15:46:52

diese Zeilen, als Mutmacher all jenen, die ein Problem mit ihrem Alter haben. Eine kleine Anleihe habe ich von Erich Fried genommen, ich hoffe, er ist mir deshalb nicht gram.

 

Es ist, wie es ist,

sagt das Jahr.

Kein Grund zur Sorge,

sagt die Gefahr.

So lange schon her!

sagt die Zeit.

Nimm es, wie's kommt,

sagt die Heiterkeit.

Die Jahre sind Schall,

sagt der Rauch,

das Alter nur Zahl,

sagt der Bauch.

Drum bleibe vergnügt,

sagt die Vernunft,

Frohsinn und Liebe lebe,

sagt die Zukunft.

 

copyright by Gerda Hillebrand

 

 


Frühling lässt sein blaues Band....Nachricht vom 2015-02-16 16:19:38

Frühling lässt sein blaues Band .... Eduard Mörike hat in diesem Fall Unrecht, denn hier handelt es sich um ein weißes Band. Heute am 16.2. 015 im Garten unter der Mädchenkiefer entdeckt. Die ersten Frühlingsboten. Gestern lag hier noch Schnee, unglaublich, wie sich diese zarten Pflanzen durch Schnee und Eis drängen.

 

 

 

Schneeglöckchen


Sternderl schau'nNachricht vom 2014-11-29 16:15:04

 Christmas 2014

 

Sternderl schau'n

von Gerda Hillebrand

(für Mama)

 

Es war einst ein Geschwisterpaar, das Mädchen besuchte wohl

gerade die Grundschule, der Bruder war wenig älter. Sie wohnten

mit ihren Eltern in einer kleinen Stadt, nahe dem Waldrand. Man

sah sie selten und dann stets gemeinsam, wie Hänsel und Gretel im

gleichnamigen Märchen. Außerdem erzählte man sich, dass deren

Mutter schon längere Zeit siech darniederlag.

Wochen vergingen, in denen die Kinder wie vom Erdboden verschluckt

schienen. Die Adventzeit zog ins Land, die Vorbereitungen

für das besinnlichste Fest im Jahr waren überall spürbar. Die Natur

legte sich schlafen, eine feine Schneedecke überzog Wald und

Wiesen. Kurz vor dem Weihnachtsfest hatte wohl der Tod ein Einsehen

mit der armen Frau und beendete das lange Siechtum.

Als es darum ging, die Kleinen vom Ableben ihrer Mutter zu unterrichten,

da tat es die Großmutter der Kinder, eine kleine, ältliche und zarte

Dame, auf so liebevolle und unsagbar behutsame Art, die mich

heute noch bezaubert.

Die Frau nahm ihre Enkelkinder an den Händen, ging mit ihnen

ein Stück eines einsamen Waldweges, blieb vor unserem Haus

stehen, zeigte in das Dämmerdunkel des Firmaments und erklärte

mit ruhiger und sanfter Stimme den Kindern:

»Seht euch diesen strahlenden Sternenhimmel an, meine Kleinen!

All die vielen Sterne, die euren Augen noch nicht verborgen sind,

liegen allesamt in der Vergangenheit, weil sie so weit entfernt sind.

Dahinter gibt es noch viel mehr, was keine Menschenseele bisher

erblickt hat und das nennt man Ewigkeit. Diese Endlosigkeit beherbergt

alle Verstorbenen. Die hellen Sterne da oben, das sind die

Augen jener Toten, die erst kürzlich dahingegangen sind. Und da!

Seht einmal! Genau über euch, sind zwei helle, kleine Sterne, knapp

nebeneinander! Das sind die Augen eurer Mutter, die immer auf

euch beide hernieder blicken. Sie beobachten jeden eurer Schritte.

Sie sind immer um euch, auch wenn der Himmel von Wolken verhangen,

traurig und düster erscheint, und ihr das Sternenpaar nicht

erblicken könnt. Euer Mutter Augen sehen euch und sind mit euch.

Sie lässt euch nicht allein, denn sie liebt euch mehr denn je, sie ist

nur ein kleines Stückchen weiter von euch entfernt«.

Die Kinder waren wohl sehr traurig, aber immerhin fühlten sie

sich ein wenig getröstet und nicht ganz so einsam. Ehrfurchtsvoll

blickten die beiden Kleinen in die mittlerweile sternenklare Nacht

hinauf, winkten zaghaft den hellen Sternlein zu, ehe sie sich mit

ihrer Großmutter umwandten, um wieder den Heimweg anzutreten.

Meine Mutter war Zeugin dieser wunderbaren Begebenheit, die

sie mir am Weihnachtsabend erzählte. Ich war damals etwa im

gleichen Alter des Knaben, und mich rührte diese Geschichte zu

Tränen. In meiner Kindlichkeit stellte ich mir vor, wie es wäre, wenn

dieses Schicksal mich und meine Geschwister beträfe. Mitleid und

Trauer über das schwere Los der Kinder, aber auch Angst und

Sorge, dieses Unglück könnte auch unsere Familie treffen, ließen

mich als Häuflein Elend zurück.

Tief beeindruckt suchte ich die nächsten Wochen täglich den

Sternenhimmel ab, um das Sternenpaar zu erspähen und mir sicher

zu sein, dass die Augen der Verstorbenen auch tatsächlich auf ihre

hinterbliebenen Kinder blickten.

Mittlerweile sind einige Jahrzehnte vergangen, doch diese Geschichte

hat nach wie vor nichts von ihrem Zauber und Reiz eingebüßt.

Seit mehreren Jahren stehe ich oft vor dem Zubettgehen am offenen

Fenster, schaue in eine sternenklare Nacht, entdecke zwei helle

kleine Sternenpaare, ganz dicht nebeneinander, als würden sie sich

küssen. Mich dünkt, als bräuchte ich nur meine Arme auszustrecken,

um sie berühren zu können, so nahe scheinen sie mir.

Manchmal bemerke ich sogar ein leichtes Zwinkern und zwinkere

zurück. Wenn ich ein Weilchen hinaufblicke, ist mir sogar, als

würde sich eine Aureole um jeden einzelnen dieser Sterne legen.

Sogar ein leises Lächeln, gleich dem Lächeln in den Augen erblicke

ich. Dann fühle ich mich behütet und getröstet, vielleicht ebenso wie

die beiden Kinder aus längst vergangenen Tagen.

»Gute Nacht, Mama, gute Nacht, Papa, schlaft gut, vielleicht

sehen wir uns morgen wieder!

 

FROHE WEIHNACHTEN!!


ALLERHEILIGEN!!! Im Gedenken an ErichNachricht vom 2014-11-01 09:17:16

fürErich


 

Und nun ? ...

(für Erich im Gedenken)

 

Als man ihn vom Baum schnitt, hing er bereits zwölf Stunden. Entdeckt wurde er etwa zwei Stunden nach seiner Selbsttötung. Der Einfachheit halber ließ man ihn baumeln, bis man Zeit für die nötigen kriminaltechnischen Untersuchungen fand, die ein Selbstmord im Allgemeinen mit sich bringt. Die kalten Februartage setzten diesbezüglich keine Eile voraus.

Hatte er sich die Stunden danach als baumelnder Leichnam hinter seiner Blockhütte so vorgestellt, bevor er den letzten Schritt setzte?

Wie hatte er sich eigentlich seine letzten Minuten ausgemalt, oder hatte er an nichts mehr gedacht?

Gehörten diese Augenblicke vor der Abreise ins Nirwana seiner Kindheit, Jugendzeit, seinen Frauen oder Kindern? Wem galten seine Gedanken, ehe ihm der Fall in den Strick das Genick brach?

Vielleicht dachte er, kaum das Ende erwartend, mit einem leisen Lächeln um den Lippen noch: „Jetzt habe ich es gleich geschafft“ oder aber in ängstlicher Erwartung des Kommenden: „Verdammt, was mache ich denn nur“?, und hatte dabei keine Chance mehr, dem selbst gesetzten Akt zu entkommen. Möglich, dass die letzten Sekunden seines Lebens gnädiger mit ihm verfuhren als die letzten Monate und Jahre davor!

Das Wiederaufflackern seiner vor Jahrzehnten ausgeheilt geglaubten Krankheit ließ ihn die letzte Zeit zum seelischen Wrack werden. Vielleicht hatte er Angst, all die Torturen der damaligen Therapie noch einmal über sich ergehen lassen zu müssen, nicht wissend, dass die jetzigen Behandlungsmethoden im Gewahrsam einer Anstalt doch viel menschlichere Anwendungen versprechen als noch vor etwa vierzig Jahren. Spürte er die Schmerzen der bei vollem Bewusstsein wiederholt an ihm durchgeführten Elektroschocks neuerlich, spürte er die beengende Zwangsjacke, die kaum eine regelmäßige Atmung zuließ, wenn er seine Anfälle hatte? Spürte er die Schläge der Pfleger, die gar nicht zimperlich auf ihn eindroschen, um ihn „ruhig“ zu stellen? War diese Angst Auslöser für das Reifen seines Entschlusses zur Endgültigkeit?

Oder ließ ihm die Ausweglosigkeit seiner familiären Situation keine andere Möglichkeit mehr offen?

Sein Lebenswandel in allerletzter Zeit im teilweisen Bewusstsein seiner schizophrenen Schübe machte aus ihm einen Gejagten seiner selbst. Zwanghafte Ruhelosigkeit in sich, immer auf der Pirsch nach möglichem Reichtum durch Glücksspiel. Vielleicht auch die Suche nach echter Liebe, die er immer glaubte, nie gefunden zu haben, ob als Kind, Knabe oder Mann. In hellen Momenten dann die Erkenntnis des Scherbenhaufens seines Lebens, das Bewusst werden seines Scheiterns. Den einzigen Ausweg im Schlussmachen zu erkennen, den vermeintlich einzig positiven Vorsatz zur Handlung zu begrüßen, den Gedanken zur Tat werden zu lassen, ohne Wenn und Aber. Sich keinen Deut mehr zu scheren um die Zurückgelassenen, die sich vermeintlich auch keinen Deut um ihn geschert haben.

Selbst auferlegte oder einfach ihm zugedachte Verantwortung aus Feigheit oder einer letzten Portion Mut abzuschütteln, vielleicht den einfacheren Weg einschlagen, weil andere zu verworren und unerkannt im Verborgenen blieben. Unerfüllte Sehnsüchte und Hoffnungen versinken sehen im Abgrund der Zeit. Aufwühlende Gefühle einer neuen, vermeintlich echten Liebe im Sog der Habgier, Berechnung und Lüge verschwinden sehen zu müssen, sie unterdrücken zu müssen, um nicht noch verrückter zu werden.

Oder ganz einfach nur das Bedürfnis nach Ruhe zu verspüren, der unendlichen Müdigkeit nachzugeben, nicht mehr denken und fühlen zu wollen, alles hinter sich zu werfen, Altlasten zu versenken und neue Lasten sich nicht mehr aufbürden zu mögen, nur noch Kraftreserven als letzte Aktivität an sich zu vergeuden, weil der Sinn des Lebens für ihn nie zu erkennen war.

Hilfe, die in allzu vielen jämmerlichen Situationen seines Bestehens für ihn nie greifbar schien, weil er keine Hand zum Anhalten oder Halten fand, die ihm vielleicht zu zaghaft hingestreckte nicht ergriff, weil er sie nie spürte und sah.

Weil die Einsamkeit ihm vielleicht den Rest gab, obwohl er nicht alleine war, die physische und psychische Leistungsgrenze schon lange überschritten schien, die Unerträglichkeit des Lebens ihm zur Qual wurde, seine Tränen, zu Salzkrusten geworden, sein Herz austrockneten, sein Lachen schon lange erstorben war, sein einstiger, emotionaler Redeschwall sich zum flüsternden Selbstgespräch verwandelte.

Dann der Aufstieg auf den Baum, sein letztes Tun im Umlegen der Schlinge, vielleicht noch ein kurzes Gebet, der Sprung ..., sein kaputtes Leben als abgespulter Film im Zeitraffer ...

Und nun ......?

 


Herbstliche ImpressionenNachricht vom 2014-10-14 17:02:36

 

 

 

Herbst in der Sd.Stmk.

 

Impressionen:

 

H E R B S T

Gerda Hillebrand

 

In schillernden Farben präsentieren,

stürmisch die Tage beschließen,

um in Nächten Kraft zu tanken

für die wenigen Morgen.

Silbrig glänzende Fäden über Blattwerk weben,

die sich im Sonnenlichte wiegen

und glitzerndes Gefunkel verheißen.

Glaubhafte Schimäre –

ein Aufbäumen im Sterben.

 

SPÄTHERBST

Blätter, die Trauer tragen,

wenn die Nebelschleier sie umarmen.

Die Tage kurz, die Nächte länger innehalten,

die Dunkelheit allumfassend erscheint.

Die grenzenlose Stille so laut,

dass die Ruhe gespenstisch wirkt.

Modergeruch die Luft erfüllt,

Feuchte in alle Ritzen zieht.

In warmen Stuben

metaphorische Selbstbesinnung –

der Reigen von

Tod und neuem Leben!


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