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Auszug aus meinem etwas anderen Reisebericht über SizilienNachricht vom 2016-08-30 08:30:43

Vielleicht eine Inspiration für die nächste Reise?

 

 

Auszug aus „SIZILIEN – auf Götterspuren wandeln“ von Gerda Hillebrand.

 

TAORMINA - Acireale – Castelmola –

 

Die Götter sind nicht gestorben:

Unsere Vision von ihnen ist gestorben.

(Fernando Pessoa)

 

Das nächste Ziel unserer sizilianischen Reise heißt Taormina, die „Perle Siziliens“. Dieses paradiesische Juwel haben wir für unsere letzte Urlaubswoche, sozusagen als krönenden Abschluss, auserkoren. Auf der Fahrt dorthin stellte sich uns im wahrsten Sinne des Wortes Acireale in den Weg, eine Stadt, die sich naturgemäß mit Geschichten und Legenden vereinen lässt, so wie die meisten Städte Siziliens. Der Namensursprung liegt in der Mythologie von Vergil und Ovid begraben:

Der junge Hirte Aci liebte die schöne Nymphe Galatea. Der einäugige Kyklop Polyphemus, der auf dem Ätna hauste, verliebte sich unsterblich in das Mädchen, das ihn jedoch nicht erhören wollte. Aus Eifersucht tötete Polyphemus seinen Rivalen Aci, indem er ihn gegen einen Felsen stieß. Der Felsen zerbarst, wobei einige Felstrümmer im Meer landeten, wo sie heutzutage noch gut sichtbar aufragen.

Die Tränen Galateas jedoch verwandelten sich in einen Fluss namens Aci, der heute verborgen, unter Lavaströmen verläuft.

Ist das nicht eine wunderbare Metapher zu der rührseligen und heimlichen Liebesaffäre?

 

Endlich Taormina! Welch harmonischer Klang! Worte können nicht den Liebreiz und die Schönheit dieser Stadt ausdrücken. Hier haben bei der Entstehung dieses Landstriches Götter gewirkt. Keine einzige Stadt, die ich in Sizilien bereiste, zeichnet sich durch so viel Flair und Atmosphäre aus, wie Taormina. An der Ostküste, über dem ionischen Meer, liegt auf einer Felsterrasse die antike Stadt, gleichwohl als Garten Eden.

Ich kann es nicht lassen, ein wenig in die Vergangenheit abzutauchen und mir vor meinem geistigen Auge die unterschiedlichen Machthaber kurzfristig zu gegenwärtigen.

Grausame Tyrannen waren für Blutvergießen und Sklaverei verantwortlich. Im ersten Sklavenkrieg 132 v. Chr. war Taormina die Hauptfestung für Sklaven. Im 19. Jhdt. kürte man Taormina zum Luftkurort. Als Winterdomizil mitteleuropäischer Großbürger und Intellektueller machte es sich einen Namen. Das Flair, das schon vor dem Ersten Weltkrieg hier spürbar war, ist bis heute erhalten. Die Stadt präsentiert sich uns in unglaublich sauberem Zustand. Erstklassig erhaltene Gebäude machen klar, dass eine Revitalisierung möglich ist. Unzählige Touristenströme, die tagtäglich die Straßen auf- und abflanieren, stören absolut nicht. Ganz im Gegenteil. Die Besucher gehören einfach hierher. Taormina ohne Touristen wäre wie ein Restaurant ohne Gäste, ein Wald ohne Bäume, Sizilien ohne Ätna ... unausdenkbar!

 

Wie überall auf der Insel ist der Götter Odem spürbar. Sogar intensiver als anderswo auf Sizilien. Auf einer Anhöhe, umgeben von Palmen und Kakteen, unter mir die Gischt des grünen Ozeans, höre ich das ferne Rauschen des Meeres wie ein Liebesgeflüster zwischen Aphrodite, der Schaumgeborenen, und Ares, dem Kriegsgott. Dieser Vereinigung entstammt Eros, dessen Name den Wert dieser Liebe in sich birgt. Euphorisch wandle ich gemeinsam mit Gottvater Zeus und seiner klugen Frau Hera, Händchen haltend, wie frisch Verliebte in Sphären, die normal Sterblichen verwehrt sind. Demeter, die Korngöttin, mit Tochter Kore oder Persephone, nicht mehr unglücklich umherirrend, denn sie haben ja einander für kurze Zeit wieder! Apollo, Gott des Lichts und der Heilung gemeinsam mit der weisen Athene. Welch sich ergänzendes Bündnis! Halbgott Herakles, der vor Kraft strotzende, will es mit Polyphem, dem einäugigen, geblendeten Kyklopen aufnehmen, Seite an Seite mit Odysseus, seinem listigen Blender. Nicht zu vergessen Hephaistos, Gott des Feuers und der Schmiede und Hades, der Wächter der Unterwelt, beide zu Hause in den Tiefen des Ätnas. Als hielten sie allesamt schützend ihre Hände über Taormina und erfreuten sich dabei an Zeusens gelungenem Schöpfungswerk.

Wenn abends der mächtige Ätna seine glühenden Fontänen stolzgeladen in den Äther schleudert, sind es Eruptionen der Zustimmung und maßloser Freude. In narzisstisch heischender Anerkennung versucht er seine absolute Macht zu demonstrieren. Trotzdem verleiht er diesem Landstrich eine göttliche Note. In diesem infernalen Szenario versucht Orpheus seine Eurydike dem Hades zu entreißen. Die Glut der Lava, als Sinnbild für die Glut unsterblicher Liebe?

Man muss Taormina erleben, im Spüren, Riechen, Hören und Sehen, dann kann man dem Naturschauspiel voller Glanz und vollendeter Schönheit berechtigtes Lob zollen. Worte hingegen vermögen es sicherlich nicht.

Beeindruckend an dieser Stadt ist die beispielgebende Stadtpflege, die aufopfernde Erhaltung historischer Bauten und Wohnhäuser, die makellose Sauberkeit auf Straßen und Gassen. Nirgendwo sonst auf der Insel ist dies auch nur annähernd der Fall. Taormina zählt zehntausend Einwohner, hat aber eine Nächtigungszahl weit über eine Million im Jahr. Umso bemerkenswerter ist die sorgsame Instandhaltung der Kulturdenkmäler, aber auch der Wohngebäude, die allesamt Palästen ähneln. An keinem Ort in Sizilien wurde darauf so großes Augenmerk verwendet. Nirgendwo der morbide Charakter, der uns sonst auf Schritt und Tritt umgeben hat.

Auf der Terrasse unseres Hotels, ähnlich einem Podium über dem Meer, ist besonders abends der Ausblick nach Naxos eine Herausforderung an Gefühlen. Ein Lichtermeer im Meer, vielfach widerspiegelndes, funkelndes Wasser, unzähligen Diamanten gleich. Naxos im goldenen Glanz, als hätte es Polyphem soeben ausgespien. Die aufsteigenden feinen Nebelschwaden, die wie wandelnde Geister anmuten, beleben diesen Eindruck hundertfach.

Bis weit nach Mitternacht saß ich auf unserer Hotelterrasse und konnte den Anblick an diesem Schauspiel nicht abwenden. Was mir dabei alles durch den Kopf ging? Im Grunde genommen überhaupt nichts. Mein Kopf war leer, meine kleinen grauen Zellen hatten sich zur Ruhe begeben. Lediglich mein Herz, der Sitz meiner Sinne, genoss jeglichen ernüchternden Augenblick entrückt. Ich war abgehoben in dieser wohligen Stimmung der mentalen Leere, obwohl ich von den Eindrücken beinahe überschwappte. So fühlt sich hemmungsloses Glück an, wahre paradiesische Magie. Der Zustand war mir bislang fremd. Diese Stadt hat mich verzaubert.

 

Die Anreise zu unserem Hotel hatte sich Stunden vorher für mich zu einem Martyrium herauskristallisiert, weil Taorminas Stadtzentrum verkehrsfrei gehalten wird. Die Tatsache, unser Hotel lediglich über ein so enges Nadelöhr erreichen zu können, vergällte mir vorerst einmal die Freude auf die Stadt. Bei der „Jungfernfahrt“ in unser Hotel war ich einem Nervenzusammenbruch nahe und befürchtete allen Ernstes, aus dem winzigen Mietauto nie mehr im Leben entkommen zu können. Eingeschlossen zu bleiben, mich auf ewige Zeiten in diesem Szenario auf grausamste Art und Weise, nämlich verhungern und verdursten sah, obwohl mir ringsherum die Gerüche der besten sizilianischen Gerichte in die Nase stiegen. Das ließ mich angstvoll erkennen, dass unser inniges Verhältnis zum Auto, unser kritisches zum Straßenverkehr, aber vor allem auch die Kunst, des Mannes liebstes Spielzeug auch beherrschen zu können, einer grundlegenden, ernsthaften Überdenkung bedarf. Mein Mann, relativ aufgebracht über meine ungenügende, beifahrerische Lotsenbereitschaft merkte so nebenbei an, dass hinter uns eine überdimensional große Taxilimousine, Marke Mercedes, durch diese „hohle Gasse“ ohne Schwierigkeiten hindurch fuhr. Da durchzuckte mich plötzlich der irrwitzige Gedanke, ob nicht vielleicht doch unser Fahrvermögen einer Auffrischung durch sizilianische Lehrmeister einer lebensnotwendigen Überlegung wert sei. Allerdings behielt ich diese essenzielle Weisheit für mich.

Die Corso Umberto aber auch die Via Roma ist am Abend von flanierenden, spazierenden, promenierenden, einkaufenden und besichtigungswütigen Menschen oft so zugepfercht, dass man sich nur mühsam im Tross weiterbewegen kann, was eigenartigerweise hier in dieser Stadt absolut nicht unangenehm ist. Im Gegenteil, diese Menschenmassen gehören hierher. Sie beleben, im wahrsten Sinn des Wortes, die dicht gedrängten Straßen durch die unterschiedlichsten Menschentypen und deren Sprache. Ein multikulturelles Intermezzo auf den verkehrsfreien Straßen ab Einbruch der Dunkelheit bis weit nach Mitternacht begleitete uns hier allabendlich.

Abends saßen wir dann bei einem Krug offenen Rotweins, aßen dazu die uns dargereichten Nussvariationen und beobachteten interessiert und leicht illuminiert die vorbeiziehenden Menschenmassen. Wie gut es sich hier leben lässt, obwohl das Preisniveau zum übrigen Land, das auch schon beträchtlich hoch ist, eine gewaltige Dimension erreicht. Doch für diese Stimmung zahlten wir gerne mehr!

 

Taorminas berühmteste Sehenswürdigkeit ist das Teatro Greco, obwohl es sich in der heutigen Form eher um ein römisches Theater handelt. Es wurde unter Hieron II. von Syracuse im 3. Jhdt. v. Chr. angelegt und im 2. Jhdt. n. Chr. durch die Römer komplett neu errichtet. Hier fanden die grausamen Gladiatorenkämpfe statt.

Als würde mich eine unbekannte Macht mitten in das barbarische Geschehen befördern, fühle ich das Grauen, rieche ich die Hitze des Todes, sehe die angsterfüllten, weit aufgerissenen Augen jener, die ihren letzten Atemzug aushauchen.

Mein Gott! Überall Blut, das in Rinnen aus der Arena abgeleitet wird. Hungrige Löwen in Käfigen, die sich sogleich nach Öffnen der Käfigtür wütend und schnaubend auf die menschlichen Opfer stürzen, denen jede Chance auf das Überleben verwehrt ist. Ich möchte diesem grausamen Schauspiel ein Ende bereiten, indem ich meinen Daumen gen Himmel zeige. Vergebens! Der Pöbel grölt und möchte seinen blutrünstigen Spaß nicht missen. Ich löse mich nur zu gerne meiner grauenvollen Vision und lasse stattdessen meine Blicke in die traumhafte Kulisse rund um mich schweifen. Zum Glück gelingt es sofort!

Die Fernsicht von diesem höchsten Punkt Taorminas in die Umgebung ist noch ausgeprägter als im Ort, weil der Ausblick durch die runde Form der Anlage in jede Himmelsrichtung offen ist. Im Nordwesten der Stadt thront mächtig und nicht zu übersehen, der Ätna, liebevoll, jedoch mit Respekt, von der Bevölkerung „Mongibello“, (Berg-Berg arab.-lat.) benannt. Ansonsten umschließt das Meer beinahe gänzlich die in etwa 350 Meter Höhe befindliche Theateranlage.

Wie wohl mussten sich die Götter hier gefühlt haben! Die Korngöttin Demeter bewies es auch beispielhaft in der Fruchtbarkeit dieses Landstriches.

Die Fahrt mit dem öffentlichen Autobus nach Castelmola, einem romantischen Bergdorf etwa fünf Kilometer von Taormina entfernt, ist ein besonderes Fahrerlebnis, wohl bedingt durch die steile Serpentinenstraße, die der Lenker durch den typischen sizilianischen Fahrstil bewies. Dabei sollte niemals ein Gedanke auf ein eventuell entgegenkommendes Fahrzeug verschwendet werden. Die selbstverständlich nicht abgesicherten steilen Abhänge durch Leitplanken stellen eine Mutprobe der besonderen Art dar. Wer das psychisch und physisch unbeschadet übersteht, dem kann eigentlich nicht mehr viel passieren.

Das Dorf liegt in 529 Meter absoluter Seehöhe und ist von einer mächtigen Stadtmauer umschlossen. Den Retourweg legten wir – aus oben beschriebenen verkehrstechnischen Gründen - teils auf asphaltierten Straßen und Gehwegen, teils über gut begehbare Stufen in einer wunderbaren Landschaft mit Zitronen-, Orangen- und Granatapfelbäume umsäumter Gärten, mit vereinzelten, sehr eleganten Wohnhäusern bestückt, per pedes, mit unsichtbarem Geleit der Götter, zurück. Hier wohnt die Creme de la Creme, weit abgelegen jeglichem Verkehrsgetümmels und unzähliger Menschenströme, überaus ruhig und einsam. Natur pur sogen wir in uns auf und tief unter uns wogte tiefblau das ionische Meer.

 

Dann saßen wir am Strand, auf den typischen steinernen Bänken, deren Fels aus den Steinbrüchen der Vorgebirge Palermos stammen, gehauen von versklavten Gefangenen. Wir blickten gebannt und beeindruckt, schlimm müde geworden vom langen Marsch, auf das kristallklare Wasser des Ozeans hinaus.

Ein klein gewachsener Mann, kaum größer als einen Meter sechzig, schlenderte, vorerst von uns unbemerkt, auf eben derselben Uferpromenade, die wir abgegangen hatten, knapp hinter uns. Er blieb stehen, um sich gleichermaßen dem Anblick der Schönheit dieses Gewässers hinzugeben. Er war, wie erwähnt, ziemlich klein von Statur, zudem trug er eine abgewetzte, alte, braune Aktentasche. Warum mir meine Inspiration befahl, mich eingehender auf dieses menschliche Wesen zu konzentrieren, vermag ich heute nicht mehr zu erklären.

Es traf mich wie ein Keulenschlag, als ich ihn näher beobachtete, und dabei ein mir wohlbekanntes Gesicht, s e i n Gesicht, das mir nun gänzlich zugewandt war, erblickte. Obwohl er etwa fünfzig Meter von uns entfernt stand, konnte ich seine Gesichtszüge sehr präzise ausnehmen. Da stand er…, die gleiche Erscheinung, der gleiche Schritt mit dem typischen, leicht angedeuteten Hinken, das ihm der Zweite Weltkrieg beschert hat, weil er an der russischen Front ein Bein verloren hatte, und dadurch zum Prothesenträger wurde. … Das Ebenbild meines Vaters! Entgeisterte Betroffenheit machte sich in mir jedoch erst durch die auffallende Ähnlichkeit seiner Gesichtszüge breit. Die römische Hakennase, auf die er in besonderer Weise stets stolz war, der schmale, ovale Gesichtsschnitt, das dunkel gewellte, volle Haar, das Vater trug, als er noch jünger war und damit seinem Aussehen große Ähnlichkeit mit einem Südländer verlieh. Selbst die unkonventionelle Art sich zu kleiden, entsprach der Gewohnheit meines Vaters. Genau so sah Vater vor vielen Jahren aus. Auch die Liebe zum Meer dieser Gestalt in unserer unmittelbarer Nähe war offenkundig unverkennbar dieselbe Besonderheit, die meinen Vater kennzeichnete.

Jener Mann dort am Ufer blickte ebenso interessiert zu mir herüber, wie ich zu ihm. Ein vages, verlegen angedeutetes Lächeln voll Erstaunen, aber auch der Freude, gleich dem Vaters, wenn er langjährige, gute Freunde unvorhergesehen antraf, umspielte seine Lippen.

Mir zog es einen Kälteschauer bei einer Außentemperatur nahe der Dreißig-Gradmarke auf, teils vor Fassungslosigkeit, teils vor erfreuter Erregung. Was hatte Vater denn hier am Ufer Taorminas, keine hundert Schritte von uns entfernt, zu suchen? Warum lächelte er mich flüchtig überrascht an, so als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, uns hier anzutreffen? Warum kommt er uns nicht näher, bleibt dort angewurzelt stehen und schmunzelt nur? Wie kann das denn nur sein? Vater ist seit Jahren … tot! Hat mich die Mystik hier im fremden Land bereits eingeholt? Fährt meine Fantasie mit mir Ringelspiel? Ist dieser Landstrich etwa gar der Vorhof ins Paradies? Ich bin versucht, es anzunehmen.

Der Mann machte nach einigen Minuten auf seinem Absatz kehrt und ging wieder denselben Weg, den er zuvor kam, ohne einen Blick zurückzuwerfen. Das Szenario war nach etwa drei Minuten vorüber.

Selbst mein Mann, den ich darauf aufmerksam machte, war von der Ähnlichkeit verblüfft. Aber sein Realitätssinn setzte sich durch, und er tat es als reinen Zufall, als Tatsache eines beiläufig anwesenden Doppelgängers meines Vaters ab. Ich jedoch wollte in meiner Überzeugtheit, dass es sich bei dem Mann tatsächlich um meinen Vater handelte, jenem Menschen intuitiv folgen, ihn ansprechen, wollte wissen, was er hier, außerhalb seiner Zeitlosigkeit unternehme, ob er mir etwas Bestimmtes mitteilen wolle. Aber ich schämte mich meiner esoterischen Anwandlung wegen vor meinem Mann, wollte nicht lächerlich wirken und führte aus diesem Grund leider mein Vorhaben nicht durch.

Wenige Sekunden später suchte ich nach der Erscheinung, um mich zu vergewissern, wohin sie sich aufmachte. Aber sie war so plötzlich verschwunden, wie sie gekommen war. Nun bereute ich meine untätige Handlungsweise. Ich hätte diesen Mann ansprechen müssen, damit Gewissheit erhalten, dass es sich um einen mir gänzlich fremden Menschen handelte. Mit Sicherheit hätte sich diese Rätselhaftigkeit in einer verständlichen Erklärung aufgelöst. Doch im Eldorado der Mythen, Mysterien und Legenden scheint wohl alles möglich zu sein.

Bei Zeus und anderen Gottheiten, ... in deren Mitte sich allenfalls auch mein lächelnder Vater bewegt! … Die transzendente Episode auf diesem einzigartigen Flecken unseres Planeten scheint euch nachhaltig geglückt zu sein! Danke für diese geheimnisvollen Begegnungen.

 

 

 

 

 


Basisgutachten für mein GedichtNachricht vom 2016-07-18 17:47:44

Die Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte hat mir ein Gutachten für ein von mir eingereichtes Gedicht erstellt, das mich in Euphorie, und Stolz, versetzte. Ich muss es unbedingt hier abdrucken:

"Die Bilder der Natur sind Ihr Anliegen. Die Jury hat sich ausführlich mit den wichtigsten Aspekten (den sprachlichen, inhaltlichen, poetischen und kreativen) Ihres Gedichtes "Stimmung in der Provence" auseinandergesetzt.

Der Text, mit dem Sie am Wettbewerb teilgenommen haben, schafft mit eigenständigen Einfällen eine Sprachschöpfung, die man mit Fug und Recht als gelungen bezeichnen kann. Sie haben es verstanden, Ihre Botschaft klar zu vermitteln. In punkto Bildgestaltung ist ein ungewöhnlich großes Sprachgefühl wahrnehmbar. Am ansprechendsten fand ich in dieser Hinsicht "Der Duft des Lavendels wiegt mich friedvoll in Schlaf".

Insbesondere überzeugt hier, wie Sie den Bogen von der allgemeinen Naturbetrachtung zum individuellen Erleben spannen. Als Resümee kann ich sagen, dass sich Ihr überdurchschnittliches lyrisches Können zeigt. Hinsichtlich Ihrer dichterischen Zukunft möchten wir Ihnen ausdrücklich Mut machen, weiterhin Ihren Weg zu verfolgen - dass Sie Ihr "poetisches Handwerk" bereits beherrschen, ist offensichtlich. Im Ganzen zeigt Ihre Leistung schon ein sehr ausgewogenes, anerkennenswertes Bild, vermehrtes Augenmerk sollten Sie jedoch auf die Pflege Ihrer Erfindungsgabe richten.

Ich darf Ihnen mitteilen, dass ich Ihr Gedicht zur Entscheidung über die Aufnahme in die nächste Anthologie-Buchausgabe an das Lektorat der Bibliothek deutschsprachige Gedichte weitergeleitet habe. Es wird sich mit Ihnen im Septembeer in Verbindung setzen. Falls die Jury Ihnen einen der Preise zuerkennt, werden wir Sie noch eigens benachrichtigen. Die Preisträger werden dann außerdem im Internet und in der nächsten Buchausgabe veröffentlicht.

Ich wünsche Ihnen eine nicht nachlassende weitere Arbeit am lyrischen Ausdruck.


FROHE OSTERNNachricht vom 2016-03-06 09:00:50

frohe Ostern


FROHE WEIHNACHTENNachricht vom 2015-12-23 12:07:05

Ich wünsche ein friedvolles und geruhsames Weihnachtsfest inmitten Eurer Lieben. Der kommende Jahreswechsel zum 2016er möge unkompliziert und "bedächtig" verlaufen. Christmas 2014


HERBSTNachricht vom 2015-11-10 08:04:10

 

Impressionen:

 

H E R B S T

Gerda Hillebrand

 

In schillernden Farben präsentieren,

stürmisch die Tage beschließen,

um in Nächten Kraft zu tanken

für die wenigen Morgen.

Silbrig glänzende Fäden über Blattwerk weben,

die sich im Sonnenlichte wiegen

und glitzerndes Gefunkel verheißen.

Glaubhafte Schimäre –

ein Aufbäumen im Sterben.

 

SPÄTHERBST

Blätter, die Trauer tragen,

wenn die Nebelschleier sie umarmen.

Die Tage kurz, die Nächte länger innehalten,

die Dunkelheit allumfassend erscheint.

Die grenzenlose Stille so laut,

dass die Ruhe gespenstisch wirkt.

Modergeruch die Luft erfüllt,

Feuchte in alle Ritzen zieht.

In warmen Stuben

metaphorische Selbstbesinnung –

der Reigen von

Tod und neuem Leben!


Herr Viel und Frau NichtsNachricht vom 2015-09-08 10:51:50

 

aus aktuellem Anlass der Flüchtlingstragödien weit und breit:

Bewusst habe ich diesen Beitrag stilistisch einfach gehalten, weil er eben auch für Kinder gedacht ist. Vielleicht wird er aus diesem Grund auch  literarisch nicht so gerecht sein, wie es erwartet wird.

Die vielen Viels sind Absicht, weil sie im Kontext zum Titel stehen.

 

 

HERR VIEL UND FRAU NICHTS

Ein Märchen für Jung und Alt

von Gerda Hillebrand

 

 

Herr Viel wohnte einst in der Kleinstadt Viel mit vielen Bürgern, die den Namen Viel trugen. Um sie voneinander unterscheiden zu können, hatte Herr Bürgermeister Viel die viel hochgeschätzte und allseits bejubelte Idee, den vielen Viels seiner Gemeinde eine Zahl zuzuteilen, um sie voneinander unterscheiden zu können: Herr Viel1 – der Bürgermeister selbst - Frau Viel2 und so fort, bis zu Herrn Viel12000.

Frau Viel2 etwa war die Kinderärztin des Städtchens und hatte überaus viel zu tun. Viele Kinder wurden von ihr behandelt. Manchmal wurde die Stadt von epidemieartigen Kinderkrankheiten heimgesucht. Aber die viele Arbeit führte zur angenehmen Nebenerscheinung, dass Frau Dr. Viel2 ordentlich Geld scheffelte und sich viele Dinge leisten konnte.

Herr Viel3 wieder war der Priester der Gemeinde, der den vielen Viels die Messe las, die Kommunion spendete und leider auch immer wieder den allerletzten Segen bei den Beerdigungen erteilte. Herr Pfarrer Viel3 war sehr anerkannt unter seinen Schäfchen, so dass er seine vielversprechende Tätigkeit sehr genoss.

 

Die Stadt nebenan hieß Nichts und wies ebenfalls 12000 Bewohner auf. Frau Bürgermeister Nichts befleißigte sich der gleichen Idee, wie der des Herrn Bürgermeisters Viel, und so gab es Frau Nichts1, Herrn Nichts2, bis zu Frau Nichts12000.

Wie im Nachbarort Viel durfte Frau Bürgermeister Nichts die Nummer 1 sein.

Herr Nichts2 war der Kinderarzt der Gemeinde. Er hatte nichts zu tun, obwohl sehr viele Kinder immer wieder krank waren, deren Eltern sich aber die Behandlung nicht leisten konnten. Herr Dr. Nichts2 war demnach auch nicht vermögend, wodurch er sich auch nichts leisten konnte.

Frau Nichts3 war die Pastorin der kleinen Stadt. Sie las die Messe für die Bewohner, spendete die Kommunion und erteilte den Verstorbenen den letzten Segen. Davon gab es leider auch immer ausreichend viele, weil die Menschen sich nicht gut ernähren konnten und deshalb sehr oft sehr krank wurden und allzu früh starben.

 

Allen Viels war es vergönnt, viel zureisen, so auch ins benachbarte Nichts. Allerdings durften die Leute aus der Stadt Nichts nicht zu ihnen nach Viel. Vor dem Stadttor errichteten die Gemeindearbeiter einen dicken Schranken, den sie mit rigoroser Strenge durch einander abwechselnde Viels bewachten. Dadurch war es den Leuten des Nachbardorfes unmöglich, auch nur die kleine Zehenspitze nach Viel zu strecken. Sofort waren die Wachposten zur Stelle und verhafteten jeden, der auch nur gedanklich die Grenze überschritt. Das betrübte natürlich die Leute aus dem Nichts sehr, aber die Vorschriften waren durch nichts zu durchbrechen.

 

Eines Tages wanderte Herr Viel25, wie so oft bei Schönwetter, nach Nichts, weil das für ihn ja gestattet war, und es ihm außerdem viel Spaß bereitete. Er durchstreifte die Waldlandschaft, spazierte über die kahlen Felder, durchforstete jeden Hügel, beäugte die armseligen Häuser neugierig und machte sich dabei viele Gedanken.

Warum war hier alles so trostlos? Sogar der Wald schien ihm beklagenswert. Das Laub der Bäume rauschte eine betrübliche Melodie, das Wasser des Baches plätscherte als würde es vor sich hin jammern. Die Blumen hatten ihre Köpfchen gesenkt, als mochten sie weinen. Die Vögel zwitscherten zwar, aber ihre Lieder klangen viel zu traurig.

In einem kleinen Waldstück setzte er sich auf einen Baumstumpf, packte sein Jausenbrot aus, weil er durch das Herumstreifen stets viel Hunger hatte.

Das Brot war bestrichen mit viel Butter, darauf lag viel Wurst, auf der Wurst wieder war viel Mayonnaise gestrichen in der viele Gurken- und Tomatenscheiben klebten.

Dadurch war das Brot ziemlich dick und Herr Viel25 hatte ordentliche Schwierigkeiten das Brot zu verschmausen. „Eigentlich muss ich mir ernsthaft überlegen, einen viel größeren Mund für uns zu erfinden“, sagte er zu sich selbst. Denn Herr Viel25 war ein bedeutender Erfinder.

Als er gedankenverloren auf sein dickes Brot stierte, hörte er plötzlich neben sich ein Geräusch. Als er aufblickte, gewahrte er unweit von ihm entfernt eine junge Frau, ebenfalls auf dem Stumpf eines Baumes sitzend. Sie starrte äußerst verwundert sein dickes Brot an, als hätte sie offensichtlich so etwas noch nie gesehen. Dabei raschelte sie nervös mit ihrem Papier, in welchem ihr Jausenbrot gewickelt lag.

Herr Viel sah wiederum erstaunt auf ihre Jause, denn auf der hauchdünnen Brotscheibe lag nichts. Nicht Butter, nicht Wurst, nicht Mayonnaise, nicht Gurken und Tomaten. Sie hatte nur ein winziges Stückchen trockenen Brotes bei sich.

Herr Viel25, ein gutmütiger, junger Mann, war neugierig geworden, deshalb stellte er sich der Unbekannten vor, um vielleicht auch ihren Namen, oder allenfalls nähere Details über sie zu erfahren.

„Gestatten Sie, meine Dame, Herr Viel25. Ich wohne in Viel, kann viel, besitze viel, esse viel, trinke viel, wiege viel, lese viel, reise viel und lerne viel. Und diese Eigenschaften treffen auch auf meine vielen Mitbewohner zu“.

Nach seinem letzten Wort benetzten jäh reichlich Tränen das Antlitz der jungen Frau. Mit weinerlicher Stimme stellte sie sich ebenfalls vor:

„Mein Name ist Nichts25. Ich wohne in Nichts, kann nicht viel, habe nichts, esse nicht viel, trinke nicht viel, wiege nicht viel, lese nicht viel, reise nicht und lerne nicht viel. Und das alles trifft auch auf meine Mitbewohner zu“.

Da wurde Herr Viel25 sehr nachdenklich, denn aus unerklärlichen Gründen wurde ihm ziemlich warm ums Herz, und er hatte viel Mitgefühl mit der jungen Frau Nichts25. Außerdem gefiel sie ihm auf Anhieb sehr.

Dann tat er etwas, was er noch nie in seinem ganzen Leben getan hatte:

Er gab ihr die Hälfte seines reichlichen Brotbelages, und beide hatten plötzlich von allem etwas. Da kam dem klugen Erfinder Viel25 die Idee, dass man in seinem Wohnort gesetzlich festschreiben sollte, von den vielen Errungenschaften und Kostbarkeiten seiner Heimatgemeinde, der Stadt Nichts etwas abzugeben. Diese Gedanken behielt er zunächst noch bei sich.

Die nächsten Wochen besuchte Herr Viel25 regelmäßig Frau Nichts25 und brachte ihr jedes Mal die Hälfte seines Brotbelages mit. Aber auch andere Dinge teilte er mit ihr. Er bedachte sie mit Nahrungsmittel, schenkte ihr ein wenig Kleidung, überraschte sie auch hie und da mit köstlichem Naschwerk, das die arme Frau bis dahin nicht kannte. Frau Nichts25 erblühte zu einer hübschen, kerngesunden Frau und viel Liebe erfasste sowohl den Mann als auch die Frau zueinander.

Eines Tages heiratete Frau Nichts25 Herrn Viel25. Plötzlich hatte Frau Nichts etwas. Sie hatte einen Mann, sie hatte etwas zu essen, etwas zu lesen, und so weiter. Und Herr Viel hatte noch immer ausreichend viel. Dann bekam das Paar ein Kind, dann noch eines. Auf einmal hatten sie viele.

Herrn Viels Erfindung des Teilens und Schenkens wurde zwischenzeitlich auch patentiert. Er wurde dadurch noch viel anerkannter, als er es ohnehin schon war. In Scharen pilgerten die Menschen zu ihm, um sich brauchbare Ratschläge einzuholen.

Die Bevölkerung Nichts’ erhielt seit Herrn Viels genialer Idee von seinen Mitbürgern stets etwas an brauchbaren Dingen, wodurch sämtliche Bewohner mit einem Mal etwas hatten, und die Leute aus dem Ort Viel immer noch ausreichend viele Schätze ihr Eigen nennen konnten. Der schwere Balken zwischen den Städten wurde entfernt, die Wachen abgezogen. Die Leute konnten sich frei hin und her bewegen, von einem Ort in den anderen spazieren. Die Nichts nahmen Arbeiten bei den Viels an, dadurch erhielten sie Geld und konnten sich Dinge kaufen, die sie sich nie hatten leisten können. So war allen geholfen. Almosen mussten im Laufe der Zeit keine mehr gespendet werden. Glücklich und zufrieden waren alle.

 

Herr Viel25 und Frau Nichts25 gründeten mit der Zeit ein eigenes Dorf und nannten es Etwas. Auch ihre Namen änderten sie und hießen fortan Familie Etwas-Viel.

Heute hat die Stadt 12000 Bewohner, die alle etwas haben.

Herr Viel25, nunmehr Herr Etwas-Viel, wurde Bürgermeister und somit die Nummer 1 im Dorf.

 

Stell dir einmal vor, diese Entwicklung würde sich endlos fortsetzen, dann gäbe es auf unserer Welt nur Menschen, die sowohl viel als auch etwas haben. Und das „Nichts“ wäre ausgestorben!!

Wäre das nicht ein weltweit nachahmenswertes Modell?

 

Allerdings: Diese Geschichte trug sich anno 3007 zu und hatte für die Menschheit so große Vorbildwirkung, dass sie von den Regierungen bis zum Jahre 3008 zur Nachahmung als gesetzlich verbindlich galt.

Durch machtpolitische Fehlentscheidungen einiger sprachgewaltiger Nationen erlosch diese segensreiche Verpflichtung. Man schrieb nun wieder das Jahr 2012.

 


Das Alter - eine ZahlNachricht vom 2015-04-18 15:46:52

diese Zeilen, als Mutmacher all jenen, die ein Problem mit ihrem Alter haben. Eine kleine Anleihe habe ich von Erich Fried genommen, ich hoffe, er ist mir deshalb nicht gram.

 

Es ist, wie es ist,

sagt das Jahr.

Kein Grund zur Sorge,

sagt die Gefahr.

So lange schon her!

sagt die Zeit.

Nimm es, wie's kommt,

sagt die Heiterkeit.

Die Jahre sind Schall,

sagt der Rauch,

das Alter nur Zahl,

sagt der Bauch.

Drum bleibe vergnügt,

sagt die Vernunft,

Frohsinn und Liebe lebe,

sagt die Zukunft.

 

copyright by Gerda Hillebrand

 

 


Frühling lässt sein blaues Band....Nachricht vom 2015-02-16 16:19:38

Frühling lässt sein blaues Band .... Eduard Mörike hat in diesem Fall Unrecht, denn hier handelt es sich um ein weißes Band. Heute am 16.2. 015 im Garten unter der Mädchenkiefer entdeckt. Die ersten Frühlingsboten. Gestern lag hier noch Schnee, unglaublich, wie sich diese zarten Pflanzen durch Schnee und Eis drängen.

 

 

 

Schneeglöckchen


Sternderl schau'nNachricht vom 2014-11-29 16:15:04

 Christmas 2014

 

Sternderl schau'n

von Gerda Hillebrand

(für Mama)

 

Es war einst ein Geschwisterpaar, das Mädchen besuchte wohl

gerade die Grundschule, der Bruder war wenig älter. Sie wohnten

mit ihren Eltern in einer kleinen Stadt, nahe dem Waldrand. Man

sah sie selten und dann stets gemeinsam, wie Hänsel und Gretel im

gleichnamigen Märchen. Außerdem erzählte man sich, dass deren

Mutter schon längere Zeit siech darniederlag.

Wochen vergingen, in denen die Kinder wie vom Erdboden verschluckt

schienen. Die Adventzeit zog ins Land, die Vorbereitungen

für das besinnlichste Fest im Jahr waren überall spürbar. Die Natur

legte sich schlafen, eine feine Schneedecke überzog Wald und

Wiesen. Kurz vor dem Weihnachtsfest hatte wohl der Tod ein Einsehen

mit der armen Frau und beendete das lange Siechtum.

Als es darum ging, die Kleinen vom Ableben ihrer Mutter zu unterrichten,

da tat es die Großmutter der Kinder, eine kleine, ältliche und zarte

Dame, auf so liebevolle und unsagbar behutsame Art, die mich

heute noch bezaubert.

Die Frau nahm ihre Enkelkinder an den Händen, ging mit ihnen

ein Stück eines einsamen Waldweges, blieb vor unserem Haus

stehen, zeigte in das Dämmerdunkel des Firmaments und erklärte

mit ruhiger und sanfter Stimme den Kindern:

»Seht euch diesen strahlenden Sternenhimmel an, meine Kleinen!

All die vielen Sterne, die euren Augen noch nicht verborgen sind,

liegen allesamt in der Vergangenheit, weil sie so weit entfernt sind.

Dahinter gibt es noch viel mehr, was keine Menschenseele bisher

erblickt hat und das nennt man Ewigkeit. Diese Endlosigkeit beherbergt

alle Verstorbenen. Die hellen Sterne da oben, das sind die

Augen jener Toten, die erst kürzlich dahingegangen sind. Und da!

Seht einmal! Genau über euch, sind zwei helle, kleine Sterne, knapp

nebeneinander! Das sind die Augen eurer Mutter, die immer auf

euch beide hernieder blicken. Sie beobachten jeden eurer Schritte.

Sie sind immer um euch, auch wenn der Himmel von Wolken verhangen,

traurig und düster erscheint, und ihr das Sternenpaar nicht

erblicken könnt. Euer Mutter Augen sehen euch und sind mit euch.

Sie lässt euch nicht allein, denn sie liebt euch mehr denn je, sie ist

nur ein kleines Stückchen weiter von euch entfernt«.

Die Kinder waren wohl sehr traurig, aber immerhin fühlten sie

sich ein wenig getröstet und nicht ganz so einsam. Ehrfurchtsvoll

blickten die beiden Kleinen in die mittlerweile sternenklare Nacht

hinauf, winkten zaghaft den hellen Sternlein zu, ehe sie sich mit

ihrer Großmutter umwandten, um wieder den Heimweg anzutreten.

Meine Mutter war Zeugin dieser wunderbaren Begebenheit, die

sie mir am Weihnachtsabend erzählte. Ich war damals etwa im

gleichen Alter des Knaben, und mich rührte diese Geschichte zu

Tränen. In meiner Kindlichkeit stellte ich mir vor, wie es wäre, wenn

dieses Schicksal mich und meine Geschwister beträfe. Mitleid und

Trauer über das schwere Los der Kinder, aber auch Angst und

Sorge, dieses Unglück könnte auch unsere Familie treffen, ließen

mich als Häuflein Elend zurück.

Tief beeindruckt suchte ich die nächsten Wochen täglich den

Sternenhimmel ab, um das Sternenpaar zu erspähen und mir sicher

zu sein, dass die Augen der Verstorbenen auch tatsächlich auf ihre

hinterbliebenen Kinder blickten.

Mittlerweile sind einige Jahrzehnte vergangen, doch diese Geschichte

hat nach wie vor nichts von ihrem Zauber und Reiz eingebüßt.

Seit mehreren Jahren stehe ich oft vor dem Zubettgehen am offenen

Fenster, schaue in eine sternenklare Nacht, entdecke zwei helle

kleine Sternenpaare, ganz dicht nebeneinander, als würden sie sich

küssen. Mich dünkt, als bräuchte ich nur meine Arme auszustrecken,

um sie berühren zu können, so nahe scheinen sie mir.

Manchmal bemerke ich sogar ein leichtes Zwinkern und zwinkere

zurück. Wenn ich ein Weilchen hinaufblicke, ist mir sogar, als

würde sich eine Aureole um jeden einzelnen dieser Sterne legen.

Sogar ein leises Lächeln, gleich dem Lächeln in den Augen erblicke

ich. Dann fühle ich mich behütet und getröstet, vielleicht ebenso wie

die beiden Kinder aus längst vergangenen Tagen.

»Gute Nacht, Mama, gute Nacht, Papa, schlaft gut, vielleicht

sehen wir uns morgen wieder!

 

FROHE WEIHNACHTEN!!


ALLERHEILIGEN!!! Im Gedenken an ErichNachricht vom 2014-11-01 09:17:16

fürErich


 

Und nun ? ...

(für Erich im Gedenken)

 

Als man ihn vom Baum schnitt, hing er bereits zwölf Stunden. Entdeckt wurde er etwa zwei Stunden nach seiner Selbsttötung. Der Einfachheit halber ließ man ihn baumeln, bis man Zeit für die nötigen kriminaltechnischen Untersuchungen fand, die ein Selbstmord im Allgemeinen mit sich bringt. Die kalten Februartage setzten diesbezüglich keine Eile voraus.

Hatte er sich die Stunden danach als baumelnder Leichnam hinter seiner Blockhütte so vorgestellt, bevor er den letzten Schritt setzte?

Wie hatte er sich eigentlich seine letzten Minuten ausgemalt, oder hatte er an nichts mehr gedacht?

Gehörten diese Augenblicke vor der Abreise ins Nirwana seiner Kindheit, Jugendzeit, seinen Frauen oder Kindern? Wem galten seine Gedanken, ehe ihm der Fall in den Strick das Genick brach?

Vielleicht dachte er, kaum das Ende erwartend, mit einem leisen Lächeln um den Lippen noch: „Jetzt habe ich es gleich geschafft“ oder aber in ängstlicher Erwartung des Kommenden: „Verdammt, was mache ich denn nur“?, und hatte dabei keine Chance mehr, dem selbst gesetzten Akt zu entkommen. Möglich, dass die letzten Sekunden seines Lebens gnädiger mit ihm verfuhren als die letzten Monate und Jahre davor!

Das Wiederaufflackern seiner vor Jahrzehnten ausgeheilt geglaubten Krankheit ließ ihn die letzte Zeit zum seelischen Wrack werden. Vielleicht hatte er Angst, all die Torturen der damaligen Therapie noch einmal über sich ergehen lassen zu müssen, nicht wissend, dass die jetzigen Behandlungsmethoden im Gewahrsam einer Anstalt doch viel menschlichere Anwendungen versprechen als noch vor etwa vierzig Jahren. Spürte er die Schmerzen der bei vollem Bewusstsein wiederholt an ihm durchgeführten Elektroschocks neuerlich, spürte er die beengende Zwangsjacke, die kaum eine regelmäßige Atmung zuließ, wenn er seine Anfälle hatte? Spürte er die Schläge der Pfleger, die gar nicht zimperlich auf ihn eindroschen, um ihn „ruhig“ zu stellen? War diese Angst Auslöser für das Reifen seines Entschlusses zur Endgültigkeit?

Oder ließ ihm die Ausweglosigkeit seiner familiären Situation keine andere Möglichkeit mehr offen?

Sein Lebenswandel in allerletzter Zeit im teilweisen Bewusstsein seiner schizophrenen Schübe machte aus ihm einen Gejagten seiner selbst. Zwanghafte Ruhelosigkeit in sich, immer auf der Pirsch nach möglichem Reichtum durch Glücksspiel. Vielleicht auch die Suche nach echter Liebe, die er immer glaubte, nie gefunden zu haben, ob als Kind, Knabe oder Mann. In hellen Momenten dann die Erkenntnis des Scherbenhaufens seines Lebens, das Bewusst werden seines Scheiterns. Den einzigen Ausweg im Schlussmachen zu erkennen, den vermeintlich einzig positiven Vorsatz zur Handlung zu begrüßen, den Gedanken zur Tat werden zu lassen, ohne Wenn und Aber. Sich keinen Deut mehr zu scheren um die Zurückgelassenen, die sich vermeintlich auch keinen Deut um ihn geschert haben.

Selbst auferlegte oder einfach ihm zugedachte Verantwortung aus Feigheit oder einer letzten Portion Mut abzuschütteln, vielleicht den einfacheren Weg einschlagen, weil andere zu verworren und unerkannt im Verborgenen blieben. Unerfüllte Sehnsüchte und Hoffnungen versinken sehen im Abgrund der Zeit. Aufwühlende Gefühle einer neuen, vermeintlich echten Liebe im Sog der Habgier, Berechnung und Lüge verschwinden sehen zu müssen, sie unterdrücken zu müssen, um nicht noch verrückter zu werden.

Oder ganz einfach nur das Bedürfnis nach Ruhe zu verspüren, der unendlichen Müdigkeit nachzugeben, nicht mehr denken und fühlen zu wollen, alles hinter sich zu werfen, Altlasten zu versenken und neue Lasten sich nicht mehr aufbürden zu mögen, nur noch Kraftreserven als letzte Aktivität an sich zu vergeuden, weil der Sinn des Lebens für ihn nie zu erkennen war.

Hilfe, die in allzu vielen jämmerlichen Situationen seines Bestehens für ihn nie greifbar schien, weil er keine Hand zum Anhalten oder Halten fand, die ihm vielleicht zu zaghaft hingestreckte nicht ergriff, weil er sie nie spürte und sah.

Weil die Einsamkeit ihm vielleicht den Rest gab, obwohl er nicht alleine war, die physische und psychische Leistungsgrenze schon lange überschritten schien, die Unerträglichkeit des Lebens ihm zur Qual wurde, seine Tränen, zu Salzkrusten geworden, sein Herz austrockneten, sein Lachen schon lange erstorben war, sein einstiger, emotionaler Redeschwall sich zum flüsternden Selbstgespräch verwandelte.

Dann der Aufstieg auf den Baum, sein letztes Tun im Umlegen der Schlinge, vielleicht noch ein kurzes Gebet, der Sprung ..., sein kaputtes Leben als abgespulter Film im Zeitraffer ...

Und nun ......?

 


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